Ankunft - 13.03.07

ich sitze nun im 6. stockwerk, hoch ueber ramallah, und koennte theoretisch ueber die ganze stadt schauen und sogar bis westjerusalem blicken, wenn hier nicht gerade die welt untergehen wuerde. nicht falsch verstehen: ich meine nur das wetter. der treibhauseffekt hat hier gegenteilige auswirkungen als in dtl. wir haben um die null grad, nebel, seit meiner ankunft schuettet es wie aus eimern, es gewittert immer wieder und heute schneit es schon den ganzen tag, manchmal auch graupel und zu alldem maechtiger sturm.
natuerlich gibt es nirgends heizungen, die schiebefenster sind selbstverstaendlich undicht, sodas es nicht nur reinregnet, sondern auch schoen reinpfeift. irgendwie habe ich beim packen verdraengt, dass hier winter sein koennte, wo wir doch dieses jahr keinen hatten.
jedenfalls sitze ich hier bei idioms, hab mein eigenes buero, die aussenwand ist eine komplette fensterfront - also schoener blick, schoen hell, schoen windig, schoen kalt und schoen feucht.
als ich gestern auf dem flughafen ankam, uebrigens schon eine halbe stunde frueher als geplant, wurde ich schon von dem gewitter begruesst und wolkenbruchartigem regen dazu. mein rucksack, trotz dass ich ihn in einen plastiksack gesteckt hatte, war auch gut nass, als ich ihn vom band im flughafen nahm, wahrscheinlich lag er in prag die ganze zeit im freien, bevor er in die naechste maschine verladen wurde. und selbstverstaendlich trocknet er hier nirgends, wie auch, so habe ich leider auch nur ein feuchtes handtuch...
meine abfertigung verlief verdaechtig zuegig und einfach, sie stempelte mein altes arbeitsvisum ungueltig, fragte nach dem grund meiner reise (ferien natuerlich) und schon hatte ich meinen stempel und durfte passieren. beim letzten mal wurde ich schon ausgefragt, bevor ich die maschine nach tel aviv ueberhaupt betreten durfte. allesmoegliche persoenliche wollten die wissen, und diesmal nix.
aber die freude ueber die problemlose einreise waehrte nicht lange. in jerusalem angekommen stand ich dann im stroemenden regen, zu frueh, um schon nach ramallah zu fahren. und da ja jedes cafe in israel einen eigenen security-guard hat, der deine tasche kontrolliert, erwies sich der besuch eines warmen und trockenen plaetzchens als schwierig, denn mein ganzes gepaeck wollte ich ja auch nicht im regen ausbreiten. naja, irgendwann fand ich einen, der vertrauensselig war und mich unkontrolliert mit meinem gepaeck einlies. drei stunden, und ich war wieder halbwegs trocken, der regen hatte eine pause, ich marschierte los, zum bus nach ramallah, als, natuerlich, der regen wieder einsetzte. zum zweitenmal nass erreichte ich den bus, der jetzt uebrigens direkt nach ramallah durchfaehrt. frueher musste man zu fuss den checkpoint passieren und in einen anderen bus dahinter einsteigen. das war natuerlich eine freudige ueberraschung. mein alter qualandia-checkpoint existiert so nicht mehr, dort steht jetzt eine moderne grenzstation, mit allem drum und dran, aber bei der einreise in die westbank, wurde man ja noch nie kontrolliert, heute auch nicht. in ramallah waren, nein sind die strassen fluesse. die stadt ist ja in huegel gebaut, so dass man hier interessante wasserspiele beobachten kann. wo der tiefste punkt der stadt ist, weiss ich noch nicht...
jedenfalls stand ich im regen in ramallah, nahm ein taxi zu idioms, und wurde an einer mir unbekannten stelle rausgelassen, dem wolkenbruch wieder ausgeliefert. leider habe ich noch keinen palaestinensischen handyvertrag, so dass ich mohanad (einer der chefs bei idioms) nicht anrufen konnte. na jedenfalls wurde alles wieder gut, ich stiefelte durchs gewitter, ich wusste noch den strassennamen, wo idioms zu finden sein sollte, natuerlich weit weg von dem punkt wo ich stand. mich fuhr jemand hin, mich lies jemand mit mohanad telefonieren und es ergab sich, nach einer rundfahrt, dass ich an meinem ausgangspunkt richtig gewesen bin. idioms ist naemlich in der zwischenzeit umgezogen, leider haben sie noch kein firmenschild am neuen sitz. ich wurde halbwegs trocken, bevor ich mich zum dritten mal einweichen lies.
wohnen tu ich erstmal bei mohanad zu hause, in einem gaestezimmer mit einem warmen und gemuetlichen bett, wo wir am nachmittag auch irgendwann ankamen. die warme dusche erwies sich als kampf in dem 5 grad warmen bad (oder so), entweder kochte das wasser oder es kam eis raus. aber ich konnte in trockene klamotten steigen, zumindest halbwegs, denn einen feuchten touch hatt alles in meinem gepaeck, trotz plastiktueten. in die nassen schuhe wieder rein und wir starteten wieder. es gab noch ein bischen arbeit zu erledigen, essen gehen, und eine rundfahrt zu verschiedenen mitarbeitern von idioms - vorstellung des deutschen eben. nass und kalt ging das so bis 23 uhr, bis wir eine pizzeria aufsuchten die warm war und wo sich allerlei idioms-mitarbeiter versammelt hatten. gegen 2 uhr lag ich endlich im trockenen bett und konnte schlafen, nachdem ich die nacht zuvor im flieger kein auge zu tun konnte. die 4 stunden flug wurden komplett zum service am gast genutzt, dass heisst festtagsbeleuchtung und staendig trubel, und das auf einem flug von 0 uhr bis 4 uhr frueh - die spinnen die tschechen... (bin mit czech-airline geflogen)
so, war sonst noch was? ich bin absolut happy, wieder hier zu sein, die jungs sind gut drauf, arbeit scheint es zu geben (wir haben heut nachmittag eine sitzung zusammen, wo ich alles erfahren werde), ne wohnung werden wir finden und dann liegt es an mir, filme ans deutsche fernsehen zu verkaufen, na viel spass.
jetzt geh ich erstmal meine beine wieder auftauen und meine haende in die hosentaschen vergraben.

"RICO in the night" by Idiomsfilm