knirschen tut's unter mir. der korbsessel, in dem ich mehr liege als sitze, hat schon viele leute in einer bequemen position gewippt. die sonne kitzelt meine nase und laesst nur eine silhouette von den parabolspiegeln auf dem haus weiter unten am berg erahnen. es ist noch nicht fertig gebaut, das haus. durch die fensterloecher erstrahlt sich die untergehende sonne und gibt dem haus mit den parabolspieglen einen gelben anschein.
die weiten der kuestenebene, ganz hinten am horizont und halb verschlungen vom dampf der aufsteigenden salzigen luft des mittelmeeres, werden verschluckt von den hanganstiegen, auf denen sich die doerfer rund um ramallah durch hohe haeuser hervortun. fast koennte ich hier mit anlauf abspringen, den abhang vor mir entlanggleiten und, getragen von den dunstglocken vom meer, ueber die kurze ebene dahinschweben, um mich im mittelmeer zu erquicken. so nah scheint es und so nah ist es - und doch so fern, in einem anderen land.
drei bergzungen, mit engen und stufig in den hang geschnittenen taelern, schieben sich wie grosse wanderduenen aus steiniger erde richtung meer, richtung untergehender sonne. und auf der mittleren dieser bergzungen sitze ich. einst standen auf den stufen der flanken ins tal olivenbaeume, heute reihen sich fertige und halbfertige betonkloetzer in die hoehe, mit diffusen ecken und kanten.
auf der schmalen strassen vor meiner terrasse, auf der ich in meinem knirschenden stuhl sitze, steht ein langes gelbes auto. sechs tueren, drei auf jeder seite und ein taxischild obendrauf. eines von den selbst verlaengerten alten mercedes-limousinen. jetzt passen sieben leute rein, plus fahrer. doch dieses parkt. auf der vordersten sitzreihe, am steuer und daneben, sitzen zwei junge maedchen. laute popmusik, arabisch, schallt aus dem vehikel. mal raus aus dem gemeinschaftsraum ihrer wohnung, wo sie wenig zu melden haben, und ein bischen privatssphaere geniessen, die eigene musik hoeren koennen, in daddy's auto.
fuer mich vermischen sich die popklaenge mit den rufen der moscheen - zeit zum fuenften gebet des tages. leider nicht im takt zu den elektronischen baessen aus dem taxi vor mir.
trippeln eines balles auf betonfussboden. erst ab dem zweiten stockwerk ist dieses haus da hinten bewohnt. ganz unten stehen autos drunter und im ersten stock sind die fensterrahmen erleuchtet von kalten neonroehren. an den waenden haengt keine dekoration. kinder spielen fussball in diesem stockwerk, das nur eine trennwand zu haben scheint.
ja und neben meiner terrasse hat die wohnung, die ich nun bewohne, noch eine veranda, eine grosse kueche, bad, einen grossen salon und drei schlafzimmer (mit mir wohnen noch zwei junge deutsche frauen)
4. april 2007, gegen 19 uhr ortszeit
