am rande von yafa, ein suedlich mit tel aviv zusammengewachsenes staedtchen, in einem herunter gekommenem teil der stadt, wohnt die familie daka. eine arabische familie, dass heisst mit cousinen, cousins, onkel und tanten und allem was so zu einer typischen arabischen familie dazu gehoert. eigentlich gibt es hier keine haeuser mit einem zweiten geschoss. hier lebt man ebenerdig, nicht grad sehr gut. steinhaeuser ohne fenster, auch mal mit wellblechdach,viel schrott liegt rum, autokarosserien. einige billige werkstaetten, meist schrottverwertung, stehen bereit, kunden von den staubigen gassen zu empfangen. ein abwasserkanal geht durch die siedlung, zum glueck ausgetrocknet, nur vermuellt. wenigstens bietet er offensichtlich genug fuer allerlei dichtes buschwerk und einige baeume an seinen ufern. schatten. 35 grad. ich habe schnupfen und rieche nix. gut so. am rande der siedlung liegen hohe sozialwohnungsblocks. nur drei, vier, dreckig und heruntergekommen, armut.
familie daka hat auf grund ihrer groesse und heirat im engeren kreis, oder so, ein zweites geschoss draufgebaut. sieht sehr huebsch aus, mit ueberdachter terasse und begehbarem dach. gestrichen, in gelb, und mit lackiertem holz teilverkleidet. ein mit wein ueberschatteter platz laedt ein, kaffee und wasser stehen bereit. im kreise sitzen die maenner. sie diskutieren, teils auf arabisch. am haus gelehnt sitzen und stehen die kopftuchtragenden frauen und maedchen. auf den terassen ist niemand. sie sollen abgerissen werden. also das gesamte obergeschoss. keine baugenehmigung. und der richterliche beschluss fuer den abriss des geschosses liegt vor, aus hoechster instanz. das wars.
familie daka versucht seit acht jahren, seit sie anfingen zu bauen, eine genehmigung zu bekommen. gibt’s aber nicht mehr hier, in yafa. schon seit 1948 nicht mehr. also fuer araber. ein investor ist auch schon gefunden. der hat hier grosse plaene, masterplaene fuer pardes daka.
ein aufruf ging durch tel aviv. via handy und mund-zu-mund. 60 sind ihm gefolgt. plus ca 20 im weitesten sinne familienangehoerige – das kann schon eindruck machen, wenn die sich alle ploetzlich auf dem dach und der terasse draengeln. also eindruck auf die baggerfahrer, die den auftrag zum abriss bekamen. und eindruck auf die polizisten, die ja jeden einzelnen wegtragen muessten. schweisstreibende arbeit am mittag. der trupp polizisten wurde zum verhandeln eingeladen. im kuehlen raum im obergeschoss, in frischen farben gestrichen. waehrend dessen haben all die angereisten ihre kameras ausgepackt. bestimmt 12 videos werden gedreht. von dem getuemmel auf dem haus. und dem, was passieren koennte. etliche fotos werden gemacht. al-arabia, der fernsehsender, ist auch da.
gut zwei stunden sonne prasseln auf die engagierten. dann ziehen die polizisten wieder ab. die hausherrin verkuendet, auf arabisch, das ende fuer heute. das fernsehen schneidet mit. danke fuer euer kommen. aber der richterbeschluss sieht vor, bis spaetestens 4. juni wird abgerissen. nebenan hat’s zweimal niemand verhindert. mauerreste zeugen noch von ehemaligen obergeschossen. wohl gemerkt, es geht nur um’s obergeschoss. besser eine ruine auf dem dach, als weiterer wohnraum. fuer araber. hier in yafa.
