wer schonmal eine sommergrippe gehabt hat, weiss wie besch***en es ist, in der hitze mit voller nase, fast explodierendem kopf, halsweh und allgemeiner schlappheit rumlaufen zu muessen. da haben wir hier nun endlich den sommer, so um die 30 grad, brennende sonne, und mich hats voll erwischt - gehabt. nun, nach einer woche, hab ich blos noch bissel schnupfen, das fieber wenigstens ist jetzt weg.
zweilagiges klopapier, das die nase schon am ersten tag blutig gerieben hat, zwiebelsaft und einheimische zitronen, frisch in den mund gepresst, waren meine heilmittel, gemischt mit den unglaeubigen blicken der einheimischen, dass ich ueberhaupt ein papier verwende und meine nase putze. ein richtiger mann rotzt natuerlich alles auf die strasse, unter zuhilfenahme seines daumens und zeigefingers.
der wind, der hier eigentlich staendig blaest und die sommerhitze damit ertraeglich macht, ist zur zeit mein aergster feind. verbunden mit den ungefiltereten autoabgasen trocknet er die schleimhaeute richtig aus und macht jede atemtaetigkeit damit noch viel schwieriger.
vielleicht hilft ja ein klimawechsel, auch noch den restschnupfen endgueltig loszuwerden. genau das hab ich jetzt auch vor. nach fast sechs wochen arabischer gastfreundschaft und aufdringlichkeit, werde ich heut abend in den westen fahren, in die "bessere welt". fuer ein verlaengertes wochenende mal ordinaeren strandurlaub machen, im sand liegen unter palmen und mit lagerfeuer am abend, mittelmeer, mediteranes klima und warme naechte (was es in ramallah einfach nicht gibt).
mal fuer vier tage der kleinstadt entfliehen, in der mich fast jeder kennt (bin wirklich der einzige auslaender mit langen haaren und damit hohem wiedererkennungswert...) und ich alle 100 meter jemanden gruessen darf, smalltalk halten muss, eine zigarette mitrauchen oder einen tee mittrinken muss. gestern morgen zum beispiel gruesste mich wieder ein junger mann ueberschwaenglich. ich muss wohl ziemlich verdutzt geguckt haben, jedenfalls fragte er beleidigt, ob ich mich denn nicht an ihn erinnern koenne. ich bat ihn seine sonnenbrille abzusetzten, vielleicht dann. doch - ich habe ihn angelogen, ach ja klar, ich haette blos seinen namen vergessen... es stellte sich heraus, dass er einer der taenzer war, der 2005 fuer den helena waldmann film in einer massenszene mitgetanzt hatte. ich kann mir doch nun nicht jeden statisten merken, der mir irgendwann mal in meinem leben seinen namen verriet... glauben denn die leute, ich haette kein anderes leben, keine anderen bekannten, keine andere stadt, in der ich leute kenne? glauben die, ich sei in ramallah zu hause, auch wenn ich zwei jahre nicht dagewesen bin? glauben die, ich haette die zwei jahre in einer hoehle ganz allein verbracht?
vielleicht haette ich mir meine haare abrasieren sollen, um mein aussehen zu veraendern. naja, ich will mich nicht beschweren, ich habs ja selbst so gewaehlt und eigentlich ist es ja auch schmeichelhaft. nur sollte sich hier nicht jeder einbilden, er sei so charismatisch und besonders, dass ich mir ihn auf jeden fall ueber jahre hinweg einpraegen werde, mit all seinen daten wie name, alter, beruf und taetigkeit. man sagt, ramallah habe 30.000 einwohner - das ist viel arbeit... (wobei ich natuerlich nicht sagen will, das jeder mich kennen wuerde...)
auf jeden fall habe ich mir diesen kleinen urlaub von meinem laufsteg in ramallah verdient. ich freue mich darauf, incognito durch tel aviv zu laufen, niemanden gruessen und kennen zu muessen, mal wieder einer von vielen unter vielen zu sein. in diesem sinne tauche ich jetzt unter und melde mich wieder, wenn ich aufgetaucht bin, zurueck in ramallah, der kleinstadt auf dem heiligen, windigen berg.
