tot in ramallah. einen hats mal wieder erwischt, ermordet, von palaestinensern. leider gibts darueber verschiedenste informationen, welcher organisation die moerder angehoeren.
jedenfalls war daraufhin die gesamte stadt lahmgelegt. stille, totenstille, kein auto, keine menschen. donnerstag abend (26. april), beginn des muslimischen wochenendes, normalerweise partyzeit in ramallah, wo alles und jeder flanieren geht, in cafes und bars, eben die nacht vor dem freien tag...
doch diesmal war alles anders, die securityeinheiten verfolgten die moerder durch die stadt, und diese fluechteten sich in eine nahegelegene israelische siedlung. obwohl sie keine siedler gewesen sein sollen. wer auch immer sie waren, die securities wollten sie natuerlich in die siedlung verfolgen. schiesserei mit israelis. die securities wollten die israelische armee auffordern, den moerdern keine zuflucht zu gewaehren, sondern sie auszuliefern. keine hilfe.
stand der dinge ist, die moerder sind weg und die stadt ist gelaehmt, vor angst. anarchie, keine gesetze mehr, kein einziger security mehr, keine polizei. abu mazen hat alle abgezogen, zur eigenen sicherheit, denn ansonsten haetten sie sich wohl blos weiter beschossen und weitere reaktionen von antiautoritaeren gruppierungen provoziert.
in diesem zustand habe ich ramallah lang nicht mehr erlebt, seit 2005 nicht mehr. die angst in der bevoelkerung steckt immernoch tief, gerade vor innerpalaestinensischen auseinandersetzungen. dann bleibt jeder zuhause, man warnt sich gegenseitig, alle geschaefte schliessen, obwohl sie sonst bis nach mitternacht auf haben, zumindest donnerstags. alle bars, cafes und treffpunkte waren gechlossen, schwere eisentueren sollte vor eindringlingen schuetzen. meine kollegen sind im buero geblieben, weil uns dort die nachricht erreicht hat: „palaestinenser schiessen auf palaestinenser.“
die lethargie der stadt hat bis samstag mittag angehalten, bis das leben wieder auf ramallahs strassen zurueck gekehrt ist. der ganze freitag, obwohl ja eh feiertag, war eine ausgestorbene zone in ramallah. keine geschaefte waren geoeffnet, kein mensch oder maschine auf den strassen, kein leben. nur eisentore, stille, muell und katzen...
es ist diese ganz besondere stimmung in der stadt, wenn jeder weiss, es ist etwas passiert, aber keiner weiss, was genau passiert ist. wenn jeder jeden verdaechtigt ein krimineller zu sein, denn wenn diese art von totenstille einkehrt, bewegen sich nur noch leute auf den strassen, die bewaffnet sind, und, so sagte man mir, die einen einbruch, ueberfall oder sonstige kriminelle aktivitaet planen. mich hat keiner ueberfallen oder ausgeraubt oder mit einer waffe bedroht, ich weiss allerdings nicht, wieviele mich fuer einen kriminellen gehalten haben, von denen, die mich auf den strassen haben entlang wandern sehen.
ramallah ist ja oefter mal still, sonntags nachts z.b. aber diese art von stille, wenn man die angst regelrecht in den strassen riechen kann, und die leute ihre tueren nicht nur verschliessen, sondern verrammeln, wenn sich nicht einmal hart gesottene und schwer bewaffnete auf die strassen trauen, und wenn keiner weiss, wem er trauen kann, wer was getan hat und wer jetzt noch friedlich ist. wenn alle dort bleiben, wo sie gerade waren, und sich die nachricht von dem toten wie ein lauffeuer durch die handynetze der stadt verbreiten. dann wird die stadt binnen minuten zu einer geisterstadt in der die anarchie ausgerufen wurde und die militaers und securityleute damit zu tun haben, sich gegenseitig zu beschatten und zu verdaechtigen.
wie die geschichte ausging, weiss ich nicht. am samstag waren wieder autos auf den strassen, abends sogar die paramilitaers wieder zurueck, die geschaefte hatten zwar noch die eisentore vor ihren schaufenstern, aber sie waren wieder geoeffnet. keiner sprach mehr darueber und langsam normalisierte sich alles wieder.
