Mein Assi

hab ich doch glatt ueber all den aerger mit hamas, fatah und israel vergessen, von meinem assi im buero zu erzaehlen. eine dame. die araber nennen sie "absa", dass meint soviel wie traurigkeit ausstrahlen. ich nenne sie assi, klingt so aehnlich und wird ihrem wesen auch gerecht. in beiderlei hinsicht, denn einerseits hat sie ein assoziales wesen an den tag gelegt, kam mit niemandem hier zurecht, fluechtete immer in ihre eigene ecke und manchmal ging sie auch zum angriff ueber, meist mit blutigem ausgang fuer den angegriffenen.

aber zum anderen ist sie auch mein assistent. zumindest moralisch unterstuetzt sie mich, wenn sie mir auch nicht wirklich arbeit abnehmen kann, so versteht sie es, meine nerven zu beruhigen und mich ruhig zu stellen, wenn sie dann zum kuscheln kommt. sie ist eigentlich immer in meiner naehe, auch wenn sie oefter zu aufdringlich ist, und meint, sie sei die most important person im buero.


vor gut drei monaten kam sie bei uns im buero an, zunaechst interessierte sie sich fuer niemanden, sie beschlagnahmte den dachboden fuer sich und lies sich gute vier wochen nicht einmal blicken. wir glaubten schon, sie sei wieder ausgezogen und habe das weite gesucht. keine spur, kein laut war zu vernehmen. die annehmlichkeiten unseres bueros geniesen, ohne sich blicken zu lassen, ohne dankbarkeit zu zeigen - das ist anti-sozial.


doch nach dieser eingewoehnungszeit fuer sie, kam sie ploetzlich eines tages, ich war allein im buero, um die ecke, erblickte mich und stuermte direkt auf mich zu. sie ueberfiel mich regelrecht, beanspruchte mich und meine aufmerksamkeit und scherte sich nicht darum, dass ich mitten in meiner arbeit steckte. ich denke, es war sowas wie liebe auf den ersten blick. ihrerseits. ich brauchte etwas laenger. aber sie verstand es, mich zu umgarnen, zu vereinnahmen fuer ihre beduerfnisse.


und so kamen wir zusammen. und langsam aber sicher stellte ich sie meinen kollegen von idioms hier im buero vor, zeigte ihr die raeumlichkeiten, machte sie mit der umgebung vertraut. nun, nach einem weiteren guten monat, ist sie soweit, dass sie sich nahezu ohne angst und selbststaendig durchs buero bewegt. auch wenn es eine lange und schwierige arbeit war, denke ich, sie ist nun wieder ein halbwegs "normales" wesen. all ihre charakterlichen stoerungen und narben in ihrer seele sind zwar noch nicht verheilt, aber auf einem weg der besserung. schade, dass ich auch sie bald wieder verlassen muss, denn nach wie vor, bin ich ihre person nummer eins, ihr vertrauter, bei dem sie auch schonmal auf dem schoss einschlaeft, waehrend ich ihren kopf kraule.


"RICO in the night" by Idiomsfilm