Al Chalil - "Der Freund" - Hebron...

…die stadt mit einer vertreibungs-, eroberungs- und wiedervertreibungsgeschichte. in hebron leben juden und muslime zusammen in der stadt, schon seit vielen, vielen jahren. doch so wie es scheint, immer schon mit gegenseitigen misstrauen.

die ganze geschichte der stadt hier aufzulisten waere muessig und wuerde auch keine „schuldigen“ oder „opfer“ in der geschichte der stadt ausmachen koennen. zuviel ist schon passiert und zu oft wurden schon menschen vertrieben hier.

heute also „gehoert“ die stadt ausschliesslich dem israelischen militaer. natuerlich nicht per gesetz oder offiziell, aber sie sind die uneingeschraenkten herrscher. sie bestimmen, wer wann wohin gehen darf oder eben auch nicht! sie sperren strassen ab, schliessen geschaefte und riegeln ganze viertel der stadt ab und vedammen sie zu geisterhaften silhouetten ihrer selbst. die eisentore mancher verbarrikadierter geschaefte sind schon mit blumen und strauchwerk bewachsen. dornroeschenschlaf eines ganzen stadtteils; der frueher einmal leben, arabische geselligkeit und geschaeftigkeit beherrbergte. heute sind die einzigen menschen, die man in diesem toten teil hebrons antrifft kleine trupps von israelischen fusssoldaten, die die rueckkehr der natur in die alte stadt bewachen. schwerbewachte, tote geisterstadt. was das kostet! oh, und natuerlich bewachen die fusssoldaten, kommend aus dem riessigen militaerforce in der mitte der stadt und den vier basen auf den huegeln rund um die altstadt, auch die 9 verbliebenen israelischen siedlerfamilien, die ihre behausungen in der altstadt von hebron ueber dem arabischen souk (basar) gepflanzt haben. illegal oder nicht, aus der geschichte heraus legitimiert oder nicht spielt eigentlich keine rolle. selbst wenn eine religion einen moralischen oder geschichtlichen anspruch darauf haette, die altstadt von hebron zu bevoelkern, ist es einfach eine unart und respektlosigkeit sondersgleichen, die souks und bauten der uralten stadt derart zu verschaendeln und zu beanspruchen, in dem man neue haeuser auf die teils hunderte bis tausend jahre alten gebaeude des basars drauf setzt!

die arabisch bevoelkerte (abgesehen von den neun siedlern) altstadt und innenstadt von hebron ist mit einem guertel von neuen israelischen siedlungen umzogen, welche durch ihre existenz viel des fruchtbaren landes zerstoert haben, auf dem einst wein, fruechte aller couleur, getreide und natuerlich oliven wuchsen. doch der charme der inneren stadt, des arabischen hebron ist noch inselweise vertreten. der souk, der zwar klaeglich sein dasein fristet und mehr geschlossene als geoeffnete geschaefte beherbergt, ist ein grosser tummel- und spielplatz. zumindest fuer mich romantisierten europaeischen touristen, der gerne durch die verwinkelten und oftmals ueberdachten gassen straeunt, sich gerne verlaeuft in den vielverzweigten, teils nur anderthalb meter hohen durchlaessen der stadt. muss das befluegelnd gewesen sein, als es noch keine stinkenden und laut hupenden autos an den eingaengen zum souk gab, als noch aus allen geschaeften die rufe der verkaeufer drangen und sich die waren stapelten. als noch karawanen aus allen himmelsrichtungen in die stadt komen konnten, um ihr geschaeft an irgendeinem schattigen plaetzchen des basars zu versuchen.

heute ist der europaeische tourist der einzige kunde, so scheint es. der individuelle, der auf eigene faust die altstadt erkundet und dessen aufmerksamkeit von allen seiten mit den worten „welcome“ versucht wird zu erhaschen. oder der im trupp durchgeschleuste tourist, gefuehrt von ehemaligen und manchmal bewacht von dienenden israelischen soldaten. und dieses bild ist eines, das mal wieder sehr befremdlich ist: in der enge der dunklen gassen des souks, mit arabischen geschaeften und dem typischen arabischen basartreiben, hat man ploetzlich das ende eines gewehrlaufes vor der nase. ein trupp von sechs soldaten, der sechs auslaender durch die altstadt eskortiert und meint, jeden und alles als gefahr zu sehen. du bist solange potenzieller terrorist, bis der trupp an dir vorbei ist. und mal ganz ehrlich, wollte jemand eine bombe zuenden, koennten diese soldaten auch nix mehr ausrichten, in der enge und unuebersichtlichen altstadt hebrons. na hauptsache zeigen, wer herr im hause ist!

das zentrum des touristischen verkehrs in hebron ist die zweigeteilte abraham-moschee. ein juedischer und ein muslimischer teil umschliessen das heiligste der stadt, heilig fuer muslime, juden und christen: das grab abrahams (ibrahims). hier, in dieser moschee entzuendeten sich immerwieder konflikte zwischen juden und muslimen, die hebron zu einem traurigen „zentrum“ der intifadas und des israelisch-palaestinensischen konflikts machen. und bis heute lassen die schlagzeilen aus hebron nicht nach. und bis heute ist hebron anziehungspunkt und ziel fuer besonders radikale israelis der siedlerbewegung. in hebron sind nach wie vor die radikalsten meinungen zu hoeren, von beiden seiten, ist die kluft zwischen israelis und palaestinensern noch am tiefsten, die stimmung am meisten aufgeheizt, da die raeumliche trennung zwischen siedlern und arabern nicht gegeben ist.und an hebron scheiden sich auch die geister der dienenden soldaten der israelischen armee. waehrend in anderen stadten die armee meist ausserhalb sitzt und nur naechtliche aktionen die soldaten in dann meist leere strassen fuehrt, sind die soldaten hebrons direkt in der stadt stationiert, haben taeglichen sehr engen kontakt zur arabischen bevoelkerung und sind staendig praesent. auch wenn die stadt hebron selbst zur area a zaehlt, also unter palaestinensischer verwaltung steht, auch was die sicherheit angeht und fuer israelis der zutritt per (israelischem) gesetz verboten ist. solange hebron fixpunkt der besonders radikalen und unnachgiebigen kraefte des konflikts ist, wird die stadt um die grabmaeler abrahams, jakobs, isaaks, rebekkas und sarahs nicht den noetigen respekt und die noetige meditatorische ruhe fuer die andacht der religioesen an den letzten ruhestaetten finden.
die folgenden bilder sind freudnlicherweise von meiner mitbewohnerin julia zur verfuegung gestellt worden, da meine digicam ja nicht mehr richtig funtzt. meine bilder werden in form von dias nachgeschoben - nicht online sondern offline!




hebron ist nachweislich seit 37 v. chr. von arabern besiedelt gewesen...

"RICO in the night" by Idiomsfilm