Boeses, boeses Deutschland!

wenn das palaestinensische volk so dumm ist, die hamas mehrheitlich zu waehlen, dann soll auch das ganze palaestinensische volk dafuer bestraft werden und unter oekonomischen, sozialen und militaerischen strafen leiden.

wenn das iranische volk so dumm ist, einen ahmadinedschad zum praesidenten zu waehlen, dann soll auch das gesammte iranische volk dafuer buessen!

so aehnlich koennte die auffassung von assaf uni, korrespondent der haaretz, sein.

sollte jetzt also deutschland all seine exporte nach iran einstellen, keinerlei business mehr mit iranischen firmen machen, alle geschaeftsbeziehungen einstellen? sollen wir jetzt iran mit seinen menschen vergessen, keinerlei produkte fuer’s taegliche leben mehr liefern, die beziehungen zu mittelstaendischen, zu familienbetrieben und organisationen im iran aufkuendigen? alles nur, weil uns der iranische praesident nicht passt?

assaf uni macht deutschland vorwuerfe dafuer, dass wir der groesste exporteur fuer iran sind, und schreibt darueber einen artikel in der online-haaretz. zum anlass nimmt er die bevorstehende konferenz in darmstadt unter dem titel: „iran – geschaeftliche moeglichkeiten fuer deutsche exporteure“

er zitiert dabei eine „diplomatische quelle“ mit den worten: "On one hand, they are supportive of sanctions against Iran on the nuclear issue, but on the other hand they are conveying an image of business as usual." (auf der einen seite unterstuetzen sie [deutschland] die sanktionen gegen iran auf grund des atomprogramms. aber auf der anderen seite foerdern sie ein image vom weiterfuehren normaler geschaeftsbeziehungen.)

und er setzt noch einen drauf. israelische beamte, so schreibt er, verweisen naemlich auch auf eine geplante theaterauffuehrung von „mutter courage“ im iran eines berliner ensembles und auf das bereits gelaufene konzert der innsbrucker symphoniker im iran. die „diplomatische quelle“ fragt sich dabei, was denn die iraner davon halten sollten? das sich nichts wirklich geaendert haette [seit ahmadinedschad]?

also sollte deutschland jetzt nicht nur seine geschaeftsbeziehungen mit iran einstellen, auch sein kulturelles programm. am besten schliessen wir gleich das goethe-institut und die dt. botschaft in teheran. weil die menschen falsch gewaehlt haben! oder was?

oh, und da faellt mir doch ein, lieber assaf uni, wer im glashaus sitzt sollte nicht mit steinen werfen!

wieviel verdienen israelische geschaeftsleute taeglich im von „terroristen besetzten und mit einer terroristischen regierung bestueckten“ gazastreifen? gab es nicht internationale sanktionen gegen die hamas-gefuehrte palaestinensische regierung, seit ihrer wahl 2006 bis zu ihrem endgueltigen auseinanderbroeckeln im mai 2007?

2 mio us-dollar taeglicher umsatz israelischer firmen allein im gazastreifen machen israel zum groessten exporteur fuer gaza! trotz sanktionen, trotz einer regierung die international als terroristische vereinigung gilt!

mr. assaf uni, don’t support the government, but support the people by providing them essential goods for their daily life and by offering them cultural events and humanitarian aid, like your government does in gaza and my government does in iran.

"Iran and Germany: Business as usual?", online-haaretz, am 17. sep. 2007

"RICO in the night" by Idiomsfilm