Der Tagesspiegel

ich habe ja keinen einfluss darauf, welche nachrichten in dem newsreel auf der rechten seite dieses blogs auftauchen und angezeigt werden. doch dieser artikel hier, am 12. september im tagesspiegel erschienen, ist doch mal eine kommentierung wert. denn soviel falsches in einem so kurzen artikel ist eine journalistische schande. da frage ich mich doch wieder, wo die reporter sitzen und was ihre recherche-methoden sind. und nur fuer den fall, dass einer von euch das newsreel nutzt, und damit auch diesen artikel gelesen hat, moechte ich hier mal die richtigstellung dieser wertlosen arbeit anbringen. es geht in dem artikel um ein papier, um einen „Entwurf einer israelisch-palästinensischen Prinzipienerklärung“, welches der tagesspiegel aus einer palaestinensischen newsagentur zum anlass nimmt:

als erstes mal klingt schon die ueberschrift: „Israel dementiert angebliche Friedensplaene mit Palaestina“, als ob es tatsaechlich keine gaebe. tatsaechlich aber verhandeln olmert und abbas seit der gaza-uebernahme durch die hamas wieder direkt miteinander. es geht um frieden zwischen israel und palaestina und einer zwei-staaten-loesung. wenn das mal keine friedensplaene sind, dann weiss ich auch nicht. denn beide aeussern immerwieder oeffentlich, dass sie an einem endgueltigen friedensplan zusammen arbeiten. aber die deutschen glauben nun, esgaebe keinerlei friedensplaene zwischen israel und palaestina. danke.

gleich im subtitle gehts dann weiter: „Die israelische Regierung hat Berichte über einen angeblichen Friedensplan aufs Entschiedenste zurückgewiesen.“ und am ende des ersten absatzes folgt noch: „Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Omert erklärte am späten Dienstagabend, dass ein derartiges Dokument nicht existiere.“ tja, liebe tagesspiegel-redaktion, dann haettet ihr mal das papier, was ihr hier zum anlass des artikels nehmt, auch bis zum ende weiterlesen sollen. denn am ende dieses papieres steht, dass der palaestinensische verhandlungsfuehrer mit israel, der an der ausarbeitung dieses papieres mit beteiligt war, erklaert, dass olmert und abbas keinerlei vereinbarungen getroffen haetten, was die siedlerfrage in der westbank angeht. und da steht, dass die teams beider seiten an diesem plan immernoch arbeiten. beide seiten haben expertenteams einberufen, die ein thesenpapier anfertigen sollen, dass als grundlage fuer den angekuendigten nahost-gipfel im november in washington dienen soll. dieses prinzipienpapier ist kein plan, kein vertrag und auch kein „friedensplan“, wie ihn der tagesspiegel vorschnell nennt. und solange die expertenkommissionen noch dran arbeiten, wurde dieses thesenpapier noch nicht den ministerpraesidenten vorgelegt. also muss das israelische ministerpraesidentenbuero dementieren, dass es einen 8-punkte-friedensplan gibt. und haette der tagesspiegel an dieser stelle mal weiter recherchiert, waere er vielleicht auch darauf gekommen, dass solch ein prinzipienpapier von beiden praesidenten angestrebt wird fertig zu haben, wenn der gipfel beginnt. denn beide wollen nicht mit leeren haenden in den gipfel gehen. allerdings moechte abbas gerne in solch einem papier auch einen zeitplan haben, und olmert will nur die prinzipien drinne stehen haben, die zu einer zwei-staaten-loesung fuehren, ohne jedoch fester zusagen, ob wirklich und wann ueberhaupt. und dieses hier genannte „prinzipienpapier“ ist der erste entwurf eben der expertenteams, die von den praesidenten einberufen worden. jedoch kein friedensplan. aber das, lieber tagesspiegel, steht auch am anfang des papieres.

auch im ersten absatz ist zu lesen: „Jerusalem sollte demnach zu "zwei Hauptstädten für zwei Staaten" werden, mit den jüdischen Wohngebieten unter israelischer und den arabischen Wohngebieten unter palästinensischer Hoheit.“ stimmt soweit, allerdings ist es auch erheblich, dass in dem papier weiter steht, dass eine spezielle administrative behoerde entstehen soll, die den zugang fuer alle religionen zu den heiligtuemern jerusalems gewaehrleisten soll. sprich eine ueberkonfessionelle und durch beide seiten bestueckte verwaltung fuer jerusalem als heilige stadt. das veraendert doch die schlichte aussage des tagesspiegels erheblich! denn es geht nicht um die teilung der stadt!

zwei saetze im ersten absatz und beide sind dumm. der zweite absatz beginnt mit den worten: „Der angebliche Entwurf einer israelisch-palästinensischen Prinzipienerklärung...“ der entwurf existiert, ist also nicht nur angeblich. dies bestaetigen auch israelische quellen, die mit daran arbeiten! haette man rausfinden koennen, lieber tagesspiegel.

der zweite satz im zweiten absatz: „Der von Maan veröffentlichte Entwurf sieht einen demilitarisierten palästinensischen Staat "auf der Basis der Grenzen von 1967" vor,...“ das waere ja zu schoen um wahr zu sein. das hier zitierte papier sagt naemlich woertlich: „ein entmilitarisierter palaestinensischer staat innerhalb der ’67 grenzen.“ und lieber tagesspiegel, „innerhalb“ meint nicht „auf der basis von“, sondern irgendwo innerhalb der ’67-grenzen. und das ist nicht nur ein uebersetzungsfehler. denn das zitierte papier fuegt gleich an: „der tatsaechliche grenzverlauf wird abhaengig von sicherheitsfragen, der demografischen entwicklung und humanitaeren gegebenheiten festgelegt werden.“ und das laesst doch tief blicken, die grenzen von der demografischen entwicklung abhaengig zu machen bedeutet nix anderes, als dass teile mit ueberwiegend juedischer bevoelkerung innerhalb der westbank israel zugeschanzt werden. sprich alle grossen siedlungsbloecke in der westbank. und abhaengig von sicherheitsfragen bedeutet, israel wird die grenzen ziehen wie es grad passt, denn „sicherheitsfragen“ sind interpretationssache, wie wir in diesem konflikt gelernt haben. also nix mit ’67-grenzen. eigentlich sagt das papier nur, dass es definitiv nicht ausserhalb der ’67-grenze einen palaestinensischen staat geben wird.

kommen wir zum dritten absatz. am ersten satz hab ich nix auszusetzen. doch der zweite: „Bei dem von militanten Palästinensern durchgeführten Angriff auf ein Militärlager an der Grenze zum Gazastreifen waren am Dienstag 49 israelische Soldaten verletzt worden.“ also erstmal war es kein „angriff auf“, sondern einfach nur ein zielloser raketenabschuss, wie es immer ist. nur das dieser eben mal was traf, wie es fast nie der fall ist. aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. ist aber doch ein unterschied, ob palaestinenser ein militaerlager angreifen oder eine ziellose rakete in eines eingeschlagen ist! oder nicht? dann hat die rakete ein versorgungszelt getroffen, neben dem soldatenneulinge geschlafen haben. die israelischen medien berichten von einem kritisch verletzten, 4 schwerverletzten und 10 leichtverletzten. und die restlichen 54 haben einen schock erlitten. die israelischen medien sprechen daher von 69 opfern! also entweder man listet die 15 verletzten, oder uebernimmt die propagandistische zahl der israelischen medien, aber nirgends ist die rede von 49 verletzten!

im naechsten satz heisst es: „Die israelische Regierung wolle aber erst am Sonntag über eventuelle Gegenmaßnahmen beraten,...“ ich hab davon nix gelesen, aber gut. fakt ist jedoch, dass israel sofort mit einem luftangriff reagiert hat, auch wenn dieser von militaersprechern nicht als vergeltungsschlag dafuer proklamiert wurde, und in der folgenden nacht auch mit einer kleinen bodenoffensive reagierte. offiziell natuerlich auch nicht als vergeltung fuer den raketenangriff. doch was heisst das schon. und die israelische aussenministerin livni hat gemeint, israel habe auch nicht-militaerische mittel, um vergeltung dafuer zu ueben. denn das israelische militaer will nach wie vor keine grossangelegte offensive in gaza starten, zu riskant und unberechenbar.

und der letzte satz des artikels wurde bereits von kommentatoren der zeitung berichtigt, dass das juedische neujahrsfest nicht dienstagnacht, sondern mittwochnacht beginnt. denn dieses fest darf niemals an einem mittwoch, freitag oder samstag durchgefuehrt werden. und dienstagnacht meint ja praktisch mittwoch, wohingegen mittwochnacht natuerlich nach mitternacht meint. aber das haette wahrscheinlich wieder ein wenig recherche gebraucht, das heraus zu finden. dafuer scheint offensichtlich beim tagesspiegel keine zeit mehr zu sein.

leider ist dem artikel kein autor zu entnehmen, lediglich der hinweiss „mit afp“ und auch bin ich nicht gewillt, mich zu registrieren, um in der online-ausgabe des tagesspiegels kommentare abgeben zu koennen. also meine kritik nur hier an dieser stelle. vielleicht ist ja einer von euch bei tagesspiegel-online registriert oder kennt den journalisten, der fuer den nahost dort zustaendig ist und diesen mist verzapft hat. nur zu!

"RICO in the night" by Idiomsfilm