“an der (israelisch-aegyptischen) grenze sagst du einfach ‘kumkum three’”, mit dieser meiner einzigen reiseinformation bin ich also los und auf in den sinai. brav habe ich dem grenzbeamten der aegyptischen borderpolice die worte „kum kum three“ zu geseuselt, sehr skeptisch, ob und wie er reagieren wuerde. sein grinsendes gesicht daraufhin verriet mir schon so einiges. klar, den tip habe ich von freunden aus tel aviv bekommen, linken und alternativen freunden!
die strasse schlaengelte sich am meer entlang, das weit zurueck gezogen und still da lag und seine steinigen ufer, mit alten korallen und riffen preisgab. ebbe. die sonne war bereits hinter den hohen kahlen bergen des sinai verschwunden. nun strahlte alles rot, der strand, die berge auf der anderen, der saudi-arabischen seite, die strasse, der himmel und natuerlich das meer, das rote.
wenn der strand nicht mit bauruinen und halbfertigen luxusanlagen versperrt war, saeumten kleine huetten aus schilf und palmenwedeln das ufer. wie kleine ameisenhuegel trotzten sie dem sand, der sonne, dem wind, der kleine staubpartikel auf seinem heissen zug aus der wueste an die kueste brachte. ich weiss nicht, was unangenhmer war, die heisse sonne, der heisse wind oder die sandkoerner, die mit ihm kamen und alles abschliffen.
paradise, cleopatra, momos, dream oder eben „kumkum three“-beach war auf schildern entlang der strasse zu lesen. und hinter jedem dieser schilder verbarg sich ein kleines stueckchen paradies aus rotem sand, bestueckt mit schnuckeligen afrikanischen huetten, die sonne, wind und sand durchliesen. woher auch immer die tausenden von palmenwedel und -staemme herkamen, sie haben, verbaut als unterstand, rastplatz, die karge und lebensfeindlich wueste in ein stueckchen paradies verwandelt. zumindest fuer europaeische augen und zumindest den schmalen strandstreifen.
wie konnte ich nur so dumm und blauaegig gewesen sein, zu denken, ich werde strom und internet mitten im nichts vorfinden. wie konnte ich nur so naiv sein, zu glauben, ich wuerde meine zeit nutzen koennen, um im kuehlen schatten eines klimatisierten raumes, einer lounge, arbeiten zu koennen. und dafuer habe ich die wirklich wichtigen tools fuer dieses paradies vergessen gehabt: schnorchel und rolling-papers. wieso habe ich angenommen, ich wuerde mehr als nur meine badehose brauchen, wieso ein handtuch, shirts und unterwaesche zum wechseln?
„kum kum three“ empfing mich auf hebraeisch, mit den worten „shalom“, tee und tuete. die worte, die ich noch an der grenze gelesen hatte: „welcome to the islamic-republic of egypt“, hatten ihre bedeutung verloren. meine arabische begruessungsformel ist ungehoert mit dem wind davon getragen worden. auf mein „shukran“ (danke) habe ich nur ein verstaendnissloses laecheln geerntet. und der manager, aegypter aus dem bilderbuch, wollte offensichtlich nicht glauben, dass er einen touristen zu gesicht bekommt, der des hebraeischen nicht bemaechtigt ist. und keiner sprach english.
nur 40 km hinter der grenze zu israel, kurz vor nuweiba (siehe karte unten), gibt es keine internationalen touristen. die tummeln sich weiter suedlich, um sharm el sheikh, oder am westufer um hurghada. hier, in „kum kum three“ ist der sinai noch israel. diese beachcamps entlang des ufers sind in den achziger/neunziger jahren, nach dem friedensvertrag zwischen israel und aegypten, von israelischen jugendgruppen aufgebaut worden. damals noch als politikum geplant, als vorreiter einer israelischen siedlungsbewegung in den sinai hinein, um den sinai wieder an israel zu binden, sind sie heute oasen israelischer billigtouristen, die sich die grossen luxushotels des westufers nicht leisten koennen, wo europaeer ihren billig-pauschal-urlaub verbringen. und die bewohner des sinai scheinen sich damit abgefunden zu haben, vom gesetz her zu aegypten zu gehoeren und vom oekonomischen, kulturellen und sprachlichen her noch zu israel zu gehoeren. und sie machen ein gutes geschaeft mit den israelischen studenten.
also war ich wieder der exot, der sich nicht dazu gruppieren konnte, weil die sprachliche barriere zu gross war. denn auch die english-kenntnisse der israelischen studenten liesen arg zu wuenschen uebrig. vielleicht war es aber auch nur eine abneigung gegen den, der aus ramallah kommt, beim feind lebt und araber als freunde hat. denn trotz der meist links-alternativen billig-studenten aus israel erntete ich nur wenig verstaendniss fuer meinen grund, im heiligen land zu sein. aber vielleicht haette ich auch ihre frage nicht verneinen sollen, wenn sie wissen wollten, ob ich aus israel in den sinai gekommen bin. in meinem vokabular gehoert ramallah nicht zu israel, sondern zu palaestina. also komme ich nicht aus israel, auch nicht aus den „palestinian territories“, auch nicht aus der westbank, sondern aus palaestina. naja, irgendwer muss es ihnen ja mal sagen. denn ramallah selbst hatte noch kaum jemand von ihnen gehoert, geschweige denn konnte es jemand geografisch zuordnen. es ist schon traurig mitzubekommen, wie wenig sich die kommende bildungselite, was ja die studenten eines staates darstellen, sich mit ihren nachbarn beschaeftigen, sich auskennen, wenigstens theoretisch. sie ignorieren einfach, dass es da noch etwas gibt, ausser israel, dass die besetzten gebiete auch mit anderen menschen als nur juden besiedelt sind, und es dort noch mehrere orte als nur die israelischen siedlungen gibt. und ihr desinteresse am nachbarn wird durch gesetze ihres staates noch unterstuetzt. zum beispiel solche hinrrissigen wie das verbot fuer israelis, in die area a der besetzten gebiete zu fahren. ich habe versucht, einige von diesen, sonst doch sehr aktivistischen, studenten dazu zu bringen, zivilen ungehorsam zu leisten und dieses gesetz ihrer regierung zu ignorieren und nicht zu akzeptieren, in dem sie einfach mal die nachbarstadt besuchen, ihre nachbarn besuchen, z.b. in ramallah. doch glaube ich vergebens...
