Rausch des Paradieses

so viele schoene geschichten sind mir eingefallen, traeume, ideen, gedanken und erlebtes skuriles und paradiesisches; doch mangels elektrizitaet in meinem camp habe ich keine dieser stories aufgeschrieben. papier und stift lagen zwar zur hand, doch irgendwie kam immer was dazwischen. ihr wisst ja wie das ist, wenn man so schwer damit beschaeftigt ist, die aufrechterhaltung seiner rauschzustaende zu gewaehrleisten.

da war der rausch der farben- und formenvielfalt unter wasser, die zu erkunden mittels brille und schnorchel einen grossteil meiner arbeit im urlaub ausmachte. korallenriffe umlagerten den strand meines camps und fuer mich war es der erste ausflug in lebensraeume wie diesen. sich zusammen mit den buntesten fischen und ausgefallensten korallen in dem azur-blauen klarstem wasser zu tummeln und sich auf den folgenden sonnenbrand zu freuen. (und jetzt bin ich sowas von braun! wird allerdings in der kaelte ramallahs schnell wieder verschwinden. laecherliche 20 grad waren gestern um mitternahct, als ich wieder zu hause ankam, brrrr)

dann war da noch der rausch der voellerei. schwerstarbeit, das reichliche arabische essen, dass nie nur einen teller ausfuellt, sondern immer den ganzen tisch beansprucht, komplett zu vertilgen. viermal am tag habe ich diesen job auf mich genommen, habe unter palmenwedeln auf kissen gelegen, wie wohl saladin selbst nicht koeniglicher haette speissen koennen.

und wer viel isst, muss auch viel verdauen und somit viel relaxen. aber auch hier spreche ich von schwerer arbeit: der rausch des paradiesischen strandes. bei 50 grad unter der wuestensonne des sinai ein schattiges plaetzchen zu finden, das auch noch guenstig in der windeinflugschneisse liegt, so dass wenigstens ein wenig abkuehlung simuliert werden kann. und natuerlich ist es mit dem finden eines solchen plaetzchens nicht getan, denn die sonne wandert, also muss auch der schattensuchende mitwandern. und so paradiesisch das auch klingen mag, die palmenwedel meiner huette oder des „restaurants“ des camps sind nicht dicht wie eine mauer. sondern licht- und sonnendurchlaessig. der feine, roetliche sand des strandes ist heiss. wirklich heiss. und so kaempft man sich durch die glut der sonne, geht wie ueber kohlen durch den weichen sand und wandert von einem palmenwedel unter den naechsten, befreit seinen bevorzugten liegeplatz von muschelstueckchen und schaut sehnsuechtig auf das strahlende meer und seine erfrischenden fluten. wenn doch nur die sonne nicht so erbarmungslos brennen wuerde...

doch dafuer gibt es ein weiteres rezept, einen vierten rausch, der die muessigkeit unterstuetzt, die sonne brennende sonne sein laesst, die farben intensiviert, das rauschen des meeres und der palmenwedel meiner huette verzaubert und verstaerkt... und um diesen rausch aufrecht zu erhalten, bedarf es natuerlich auch eines gewissen zeit- und arbeitsaufwandes.

ihr seht, mein tag war voll ausgelastet. auch ohne strom, und damit ohne licht, ohne uhrzeit, ohne klingelnde handys, ohne laptops und all dem zivilisatorischem schnick-schnack gibt es viel zu tun. schlafen, essen, schnorcheln, rauchen, schlafen, essen, rauchen, schnorcheln, schlafen... und ich koennt jetzt so weiter schreiben!

und nach diesem anstrengendem hin und her hat mich auch glatt die rueckreise ueberfordert. was auf der hinfahrt noch klappte, ich kam zuegig ans ziel, musste nur die fahrzeuge wechseln, wenn es absolut noetig war und habe auch „nur“ den richtigen preis gezahlt. zurueck bin ich nicht einmal die nur 40 km von meinem camp zur israelisch-aegyptischen grenze in nur einem fahrzeug gekommen. da ging der stress schon wieder los, trampen, warten, ueber preise streiten. und die aegypter, das darf hier mal so gesagt werden, sind elende abzocker. die bescheissen wo’s nur geht und versuchen touristen wie reife zitronen auszupressen. was mir in palaestina nie passiert, als tourist ausgenommen zu werden, weil der araber faelschlicherweise annimmt, alle europaeer seien reich und wuerden mercedes fahren, war um so schlimmer und dreister in aegypten. nicht nur das ich mit drei verschiedenen waehrungen rumkaempfte, deren wechselkurse zueinander ich nicht im kopf hatte, hinzu kam eben noch, dass die strecke in teilstrecken aufgeteilt wurden und somit die preisgestaltung sich erheblich erschwerte. denn halbe strecke bedeutet ja nicht halber preis. und zu meiner ueberraschung feiert israel dieser tage noch das juedische neujahrsfest. also eingeschraenkter bis kein busverkehr... dann noch eine bombe in jerusalem, die es zu entschaerfen galt und viel zeit kostete (die strassen wurden natuerlich abgesperrt), dadurch kein bus mehr, der mich nach ramallah bringen koennte, keine sammeltaxis hinter dem checkpoint usw. ich glaube mit der zeit und dem geld fuer die rueckreise haette ich die gesamte tour nochmal machen koennen.

nichts desto trotz empfehle ich jedem, einen abstecher ans rote meer im sinai zu machen. zwischen hohen, sandig-gelben, ueber roetliche bis schwarze berketten zu sitzen und die vielfalt der meeresfauna und -flora einzusaugen. die arabische gastlichkeit und schlemmerei zu geniesen und ein stueckchen vom paradies einzuatmen.

"RICO in the night" by Idiomsfilm