Das Familienfest der Liebe

so, liebe mitbuerger, der 3. oktober ist vorbei.
jo, haetten wir das mal geklaert...

meine internet-konnektivitaet ist leider zur zeit bissel eingeschraenkt, daher bin ich a) nicht wirklich informiert ueber deutsche probleme in den aufmachern der nachrichten-veranstaltungen und b) auch hab ich keine zahlen aus der hiessigen, konfliktzierten region.

dafuer geniesse ich die zeit des ramadan. und das mein ich auch so. nicht das ich damit irgendwas religioeses verbinden wuerde oder gar zelebrieren. aber es ist die zeit der familientreffen. und damit einhergehend der grossen festessen unter freunden, bekannten und neuen. es ist bereits zu kalt, um sich abends gross draussen aufhalten zu wollen. der herbst hat einzug gehalten – auch wenn hier natuerlich keine blaetter von den baeumen fallen. aber es ist deutlich kuehler, die naechte sind eigentlich ziemlich kuehl. also wirklich ziemlich...

man feiert kurzum drinnen, rund um ein grosses arabisches dinner. natuerlich habt ihr recht: hier in ramallah feiert man ja sowieso nicht draussen, wenn man keine hochzeit grad zu zelebrieren hat. also der ganze absatz von wegen zu kalt um draussen party zu machen war quasi ueberfluessig. doch drinnen laesst es sich gleich viel besser feiern, wenn man weiss, das es draussen eh viel zu kalt ist. und der kuehlschrank ist voll, im froster warten die richtigen drinks, neben dem eis. und wenn man glueck hat, schweben kruder&dorfmeister durch den raum, oder janis joplin... die maedchen schwipsen durch die arabisch grosszuegig gebauten sitzraeume, am wodka-drink nippend, flirtend, tanzend und ihre verrutschten traeger richtend.

doch eigentlich war ich ja beim ramadan. denn im grunde war der absatz wieder umsonst, denn in ramallah ist auch ausserhalb des heiligen monats viel party, wie diese.
jedoch ist es auch wirklich eine zeit des verstaerkten familien-banden-knuepfens. im arabischen fernsehen laufen werbungen fuer die „naechstenliebe.“ ueberrascht - war ich erst. soaps haben grad hochkonjunktur. und alle sind sie friedlich, haben ein versoehnliches ende, strahlen harmonie aus.
es ist ein bissel so wie das ueber-sensibel-kuschel-vorweihnachts-fernsehprogramm im deutschen fernsehern. wenn sich ploetzlich alles lieb hat und im spaetprogramm dann dafuer die richtigen hollywood-kracher drauf hauen.
und dann kommt man abends, nach sonnenuntergang ausgehungert an einem falafelshop vorbei und versucht die aufmerksamkeit von nur einem der drei oder vier herren hinter der theke vom fernseher auf sich selbst zu lenken.
die polizei, ein gern gesehenes thema, die ist auch so anders drauf. so weihnachtlich halt wie alle, aeh, ich mein so ramadanig. man freut sich schon auf das ganz grosse fest am ende des heiligen monats. seit heute werden auf den strassen, nach sonnen untergang, helium gefuellte ballons verkauft. die kitschigen, die man auf dem rummel beim schiessbuden schiessen gewinnen kann. in herzchenform oder als einer der 101 dalmatiener. und diese luftballonverkaeufer sind zahlreicher unterwegs als autos!

aber abends eben, nachdem man endlich was gegessen hat und damit die ganzen sorgen vom tag mit runter geschluckt hat, sieht die welt dann eh viel bunter aus. wenn der koerper ploetzlich wieder mit zucker, salz, mit verschiedensten fetten und oelen, mit kraeutern, den verschiedensten ballaststoffen und zahlreichen geschmacksstoffen versorgt wurde, dann bricht ein kleines hormonielles freudenfeuer in dir aus – und die aufgeblasenen mickey-maeuse und herzen sind einfach nur schoen.

und nicht nur die, auch die kitschigen blinkenden sterne und monde, die viele fenster zieren haben ploetzlich einen reiz, machen die ganze landschaft so weihnachtlich geschmueckt. schonwieder, ich mein natuerlich so ramadanig geschmueckt. die strassenlaternen bekommen unterstuetzung durch so allerhand lichterketten – die ganze stadt ist herausgeputzt – und ein bischen stiller. wie weihnachten eben. obwohl sich das mit dem stiller sein nur auf die abendstunden bezieht. ab 17:30, wenn die sonne hinter den bergen verschwunden ist, ist ramallah ausgestorben. tot. nicht ein einziges geschaeft mehr geoeffnet. denn dann ist das grosse fressen angesagt. eigentlich die schoenste zeit des tages. die strassenlaternen brennen noch nicht, nur die bunten lichter blinken um die wette. der himmel ist noch leicht gelblich-orange gefaerbt und die strasse gehoert dem einsamen wanderer. wie heilig abend gegen sechs.

"RICO in the night" by Idiomsfilm