Broder's Welt

ich hoere grad die band “garbage” (dt: muell, abfall), passend zum thema: der „journalist“ henryk m. broder

kennt ihr nicht? auch gut. braucht man auch nicht zu kennen, macht eh nur krank und stimmt aggresiv. allerdings schwafelt er schon seit laengerem auch auf spiegel-online, einer nachrichtenplattform die ich regelmaessig und gerne konsumiere. dabei will ich mich hier gar nicht ueber die spiegel-online redaktion auslassen, die ihm eine grosse plattform, ziemlich regelmaessig zur verfuegung stellt. dies jedoch ohne dabei auf ausgewogenen, sachlichen, mit hintergrundwissen versehenen, einer logischen argumentationslinie folgenden journalismus zu achten. spiegel-online beschaeftigt ja seit sommer diesen jahres eine nahost-korrespondentin, welche einen, meiner meinung nach, guten journalismus betreibt und ein ihr bestmoeglich ausgewogenes bild von der region vermittelt. allerdings ist ihr „bearbeitungsgebiet“ viel zu gross, als dass sie oefter journalistische berichte vom nahost-konflikt liefern koennte, welche die brodersche selbstdarstellung auf diesem portal wenigstens etwas in einen genaueren kontext setzen wuerden. sie berichtet ueber die seit monaten andauernde praesidentschaftswahl im libanon, die probleme in syrien, palaestina, israel und ist zur zeit „embedded“ im irak unterwegs. also zeit fuer unseren muellmann, die gesamte plattform „naher osten“ auf spiegel-online fuer seine selbstdarstellerischen exzesse zu nutzen, ohne dabei von gutem journalismus unterbrochen oder gar relativiert zu werden. danke spiegel-online fuer diese tolle einseitigkeit.

doch eines noch vorweggenommen: henryk m. broder nimmt kein blatt vor den mund. er schreibt geradewegs heraus, was er denkt ohne auf „political correctness“ zu achten. er tritt gerne leuten auf den schlips, prangert masslos an und macht sich ueber so mancherlei verwirrungen und irrungen der westlichen demokratien lustig, oft mit einem satierischen und ironischen ansatz und nimmt dabei auch gerichtliche verfahren auf sich. es gibt ja heute nicht mehr viele publizisten, die sich trauen so dermassen ihre klappe aufzureisen. so weit so gut. „political correctness“ liegt mir ja auch nicht ganz so, nur publiziere ich dann meine hirnfurtze nicht auf online-nachrichtenportalen. weil dorthin meiner meinung nach nunmal journalistische texte, die einem gewissen journalistischen qualitaetsanspruch genuege tragen, hingehoeren. aber dies ist wieder problem der spiegel-online redaktion. als broder waere ich natuerlich auch froh, dumme gefunden zu haben, die meinen muell auch noch online stellen.

broder macht keinen hehl aus seiner intoleranz allen andersdenkenden gegenueber, keinen hehl aus seiner zwanghaften „politischen unkorrektheit“, keinen hehl aus seinem hass gegenueber dem islam (er verkennt nur, dass dieser auf einer tiefen angst vor dem islam basiert), keinen hehl aus seiner verachtung aller liberal-demokratisch eingestellter menschen. er tut wenigstens nicht so, als ob er ein qualitativ guter journalist waere, objektiv und ausgewogen. obwohl er sich selbst „journalistischer publizist“ oder „publizierender journalist“ nennt. ja, ich weiss, dass klingt schizophren. genau das ist es auch.

bei broder gibt es keine einzelfaelle, keinen grund genauer hinzusehen, keine einzelnen schicksale, keinen kulturellen einfluss auf menschliche seelen und deren entwicklung, keine unterschiedlichen bildungsniveaus, keine kulturbedingten unterschiedlichen weltanschauungen, keine lebens- oder liebenswerten religionen, es gibt keine verhandlungsnotwendigkeit, keine zweite chance, keine humanitaet, keinen grund zu reden, kein nachfragen, es gibt keinen seelenschmerz, keine psyche, keinen koerperlichen schmerz, es gibt kein erbarmen, kein mitleid, keine reue oder gar entschuldigung, es gibt keine schattierungen und grautoene, es gibt kein feingefuehl, keine diplomatie, kein abwaegen. wohlgemerkt natuerlich nur bei „den anderen“. bei denen, die nicht das privileg geniessen, in einer freien, aufgeklaerten westlichen demokratie geboren zu sein. nur bei denen, die anders denken als er, die toleranz ueben, die liberal sind. nur bei denen, die nicht seiner religion angehoeren, dem judentum. sozusagen wenn es um all jene geht, die nicht seiner predigt von mehr militanz auf dieser welt folgen, dann setzt sein gesunder menschenverstand, seine logik und die faehigkeit zu argumentieren aus und er faellt nur noch mit dem grossen hackebeil drueber her, vergisst alle regeln der journalistischen kunst.

da werden 1,5 milliarden moslems degradiert und kollektiv angeklagt. als verirrte und verwirrte fanatiker dargestellt die allesamt zu bloed sind zu erkennen, dass der islam nicht integrierbar ist, eine vorsintflutliche vereinigung des hasses, krieges und der radikalitaet ist, der keinen frieden kennt.

fuer broder gibt es nur die eine herrschergesellschaft auf der welt, naemlich die des freien, aufgeklaerten, demokratischen westens, die keinerlei toleranz gegenueber andersdenkenden uebt.

das problem an broder ist sein eigener schizophrener fanatismus, seine eigene radikalitaet, seine scheuklappen. er predigt fanatismus und radikalitaet und null-toleranz gegenueber fanatikern, radikalen und null-toleranten und merkt dabei nichteinmal, dass er selbst zu seiner eigene vernichtung durch die „aufgeklaerten im westen“ aufruft. der noch mit gefuehlen beseelte leser ist geneigt ihm zuzustimmen: ja, keine toleranz solchen radikalen brodern gegenueber, ja, macht die fanatiker und radikalen broders einfach radikal nieder, a la broder.


ich verzichte hier, eine zitatensammlung aus seinen propagandistischen, effekthascherischen, masslos zynischen und beleidigenden texte anzuschliessen. auch kommentiere ich seine blinde gefolgschaft hinter amerika und israel hier nicht weiter, sowie seine zionistische einstellung ganz im sinne ben gurions und herzl. doch eins moechte ich noch anschliessen: seine serie „the joy of return“ in der er seiner perversion freien lauf laesst, sich hinstellt und mit einem hoehnischen lachen auf alle palaestinenser einen riessen scheisshaufen draufkackt. in dieser serie beweist er, dass er sich sehr gut in jede rolle des staerkeren einfuegen kann, sich perfekt an das vorgegeben system der herrschenden klasse einfuegen kann, ein guter blinder gefolgsmann der fuehrenden oberen ist, deren rhetorik schnell aufnehmen kann und lautstark weitergibt, ohne ueber den inhalt nachzudenken oder sich damit auseinanderzusetzen. und die geschichte zeigt, dass genau diese menschen gefaehrlich sind, die ihren verstand ausschalten und mitmachen oder „nur“ zugucken, solange sie auf der „gewinnerseite“ sind.


„Ich habe nach der Lektüre des Buches (niklas frank, „der vater- eine abrechnung“, anm. d. autors) begriffen, was für ein Glück ich hatte, dass meine eltern auf der richtigen seite des Lagerzauns (sie waren kz-haeftlinge, anm. d. autors) waren.“ 1

und ich habe nach broders lektuere begriffen, was fuer ein pech wir haben, dass er nicht auf der anderen seite, der palaestinensischen, des hiessigen lagerzaunes, verzeihung, ich meine der mauer, war.

1 aus broder’s laudatio auf den schriftsteller martin pollak, der den ehrenpreis des hauptverbandes des österreichischen buchhandels für "Toleranz im Denken und Handeln" 2007 erhielt; wiener rathaus am 12. november 2007

broders gesamte laudatio auf pollack - wie kommt ein bekennender "intoleranz-prediger" dazu, eine laudatio zu halten auf jemanden, der einen preis fuer toleranz erhaelt...?

broder's offizielle homepage - "...selber schuld, wenn sie mir schreiben", wer's wirklich wissen will

broder's neuer blog - "sie haben das recht zu schweigen", mit leserkommentaren zu seinen texten

kritische texte zu broder's publikationen - "...selber schuld, wenn sie so schreiben henryk m. broder!"

publizistisches netzwerk, in dem broder mitwirkt - "die achse des guten", hier gibt's auch seine glueckliche heimkehr zu lesen

sowie immerwieder, und leider, auf spiegel-online...

"RICO in the night" by Idiomsfilm