7 Jahre und kein bischen Weiser

freitag [28/09] in den online-nachrichten-verbreitungs-medien beider seiten zitiert:

“Nizar Rayyan, a senior Hamas leader […] as saying that "50,000 fighters, armed and brave in the battlefield" await an invasion, and that 400 would-be suicide bombers wear their explosives belts around the clock, ready to attack tank columns.”1
nun cool, rayyan is top wanted auf der israelischen liste und schon mehrmels israelischen attentatsversuchen entkommen. er ist ja auch nur mit der simplen aufgabe betraut, jeden einmarsch der israelis in gaza zu zerschlagen. sozusagen der neue verteidigungsminister der moechte gern wieder „einheitsregierung“ palaestinas mit haniye und abbas vom maerz 06, aber nun eben doch nur „hamasregierung“ von gaza mit haniye seit juni 06. also chef der armeetruppen der hamas in gaza.

“The statement came one day after 12 Palestinians were killed, und 26 verwundet.
oh, und nicht zu vergessen, dass statement kam am 7. jahrestag des beginns des aqusa-aufstandes, der 2. intifada. und zu diesem anlass hat „Supreme Islamic Justice Sheikh Taiseer Tamimi“ zum freitagsgebet von der kuerzlichen eroeffnung einer synagoge an der mauer des al-aqusa complexes (tempelberg) berichtet. „vor tausenden“ glaeubigen, am qualandia-checkpoint (zwischen ramallah und ost-jerusalem), erinnerte er daran, dass es nur einen steinwurf entfernt sei von der stelle, wo damals sharon den tempelberg besuchte – was der ausloeser der aqsa-intifada war. israel antwortete mit traenengas und gummigeschossen in die massen. zum glueck blieb es nur ein kurzes dejavue. es waren wohl einfach zu viele, die zum freitagsgebet in den felsendom wollten und am qualandia checkpoint nicht durch gelassen wurden. und im felsendom predigte der grossmuffti von jerusalem, dass die freigabe der wiedereroeffung dieser synagoge am eingang zum aqsa-complex (Bab al-Sihila) durch israelische behoerden „besorgnisserregend sei“ ihm lauschten zehn-tausende.

am 7. jahrestag. gutes timing. aber das nur am rande...zurueck zum statement der hamas aus gaza, zum 7. jahrestag:

„Israeli intelligence assessments are that Hamas […] has marshaled at least 20,000 fighters proficient with a variety of small arms.”
na was heist da nur leichte bewaffnung. die hamas hat in den letzten zwei wochen dreimal eindrucksvoll gezeigt, dass diese „leichte bewaffnung“ durchaus in der lage ist, spezialeinheiten der israelis zurueck zu schlagen, sie am vormarsch tatsaechlich zu hindern! und klar, 50.000 kaempfer ist propaganda der hamas und 20.000 kaempfer ist gegenpropaganda des idf (israel defense force). die zahl duerfte dann wohl irgendwo dazwischen liegen. gaza wird nur noch mit 20 % des benoetigten stroms beliefert, der fuer die behoerden und krankenhaeuser gerade reicht. der plan der israelis - in dem man die bevoelkerung besonders leiden laesst wuerde sie sich gegen die hamas stellen - ging bisher noch nie auf in der geschichte des konflikts. diese strategie ist ja fast so alt wie der konflikt selbst. und ob die „kleinen“ militaeraktionen der israelis die bevoelkerung von gaza von der hamas wegtreibt....

“The operations by the IDF in the Gaza Strip began on Wednesday following several hours in which a hail of mortars and Qassam rockets slammed into the fence area separating Gaza from Israel […] At least 10 Qassam rockets were fired into towns in Israel.”
klar, die kaempfer in gaza sind heiss, mal wieder an einem punkt angelangt, an dem sie tatsaechlich gar nichts mehr zu verlieren haben, ausser ihrem stolz. die erwarten regelrecht israelische militaereinsaetze.

„The first incident in which Palestinians were killed occurred south of Beit Hanun, in the neighborhood of Zeitun, after an IDF aircraft fired a number of rockets at a vehicle carrying five militants.”
also von einem granatenhagel zu sprechen und im gegenzug von einem unfall bei dem palaestinenser umkamen...der hagel begann nach dem ersten unfall.

„In another incident, an IDF tank fired at a group of Palestinians trying to fire a missile against other tanks […] Four militants were killed”
tja, in einem anderen medium liest man, dass dieser beschuss nicht die gruppe traf, sondern das haus hinter der gruppe, in dem die 4 getoetet wurden. auch stimmen die angaben von namen und alter der getoeteten in der haaretz und der palaestinensischen newssite nicht ueberein.

„The other two were Muhamad Adwan, 20, and Muhamad al-Basiuni, 24, neither being a known member of any organization in the Strip.”
das nennt man dann zivilist. und al-basiuni heisst yousif mit vornamen und war erst 17.

„Early Thursday morning, an IDF helicopter fired and killed two Hamas militants”
wenn die haaretz hier so schoen verschweigt, wo und warum der helicopter geschossen hat, dann ist es doch glaubhaft, wenn palaestinensische medien davon erzaehlen, dass der beschuss gerade in eine menschenmenge hineinging. ein ganz normaler kriegstag in gaza.

„Responding to the heavy loss of life, Hamas charged […] of remaining silent”
abbas hat die worte gehoert und sein uebliches statement dazu abgegeben, Israel solle doch bitte damit aufhoeren. hier stossen allerdings zwei interpretationen aufeinander:

„For its part, the IDF does not consider the events in Gaza as constituting a significant change…”
hat das idf ja im grunde recht, diese letzte militaeraktion ist auch nix neues sondern bloss alltag, parallel laufend zu den friedensverhandlungen zwischen olmert und abbas.

„Defense Minister Ehud Barak said on Wednesday that ‘we are moving closer to a major operation in Gaza’ […] the type of operations that have been witnessed in the past 48 hours will continue.”
israel muss ja auch auf den raketenbeschuss aus gaza reagieren. der hat zwar seit der hamas-uebernahme an intensitaet verloren, ist aber eben noch nicht vollstaendig eingestellt. wird er aber so auch nicht. ich meine, gaza ist komplett abgeschnitten von allem, raus aus dem friedensprozess und offensichtlich in den augen der israelis nicht mehr teil des „zukuenftigen zu verhandelnden palaestinensischen staates“ und vor der novemberkonferenz in amerika will israel auch keine grossoffensive in gaza starten:

„...such a mission (massive ground sweep of Gaza) in the congested territory would mean major casualties on both sides, a price Israel may not be willing to pay given the relatively low death toll exacted by the crude short-range Palestinian Qassam rockets.”
also es will den derzeitigen status aus einzelnen raketen und kleinen militaeroperationen aufrechterhalten. jo, so macht man frieden und sich die bevoelkerung zum freund. ich kann ja verstehen, dass israel keinen krieg mit gaza anfangen will, eben wegen der zu erwarteten hohen verluste auch auf seiner seite. und ich kann auch verstehen, dass israel irgendwelche militaeroperationen nim gegenzug machen muss, um seine bevoelkerung zu beruhigen „ja wir tuen was degegen“ und ich kann auch verstehen, dass der wiederstandskampf der gazaner mittels qassam-raketen weitergefuehrt wird, eben wegen des derzeitigen status von gaza. aber anzukuendigen, dass israel mit den raketen leben kann, die ja sowieso fast nie treffen, und dagegen im grunde nichts wirkliches unternehmen wollen... dann koennen sie ja auch ihre „kleinen“ militaeroperationen einstellen wie diese letzte. denn solche opperationen toeten zwar ein paar palaestinenser, aber reduzieren doch den raketenbeschuss nicht um eine einzige qassam! sprich: schiesst ruhig weiter eure sinnlosen ineffektiven raketen, juckt uns nicht, wir kommen immermal wieder mit schwerem geraet und schiessen ein paar von euch ab. ach und, ihr solltet dadurch einsehen, dass die hamas die boesen und wir die guten sind.
unter diesen umstaenden koennen bis ende november aus den 20.000 bis 50.000 kaempfern in gaza auch bedeutend mehr werden und die 400 angekuendigten selbstmordattentaeter koennen auch noch zulauf bekommen.
und sonst noch, an diesem 7. jahrestag der 2. intifada, an diesem 3. freitag (holiday) des heiligen monats ramadan? feuergefechte in nablus und bethlehem (zwischen idf und militanten), raketen und sprengstoff wurden gefunden an checkpoints bei ramallah und qualqilia. und bis november will niemand was aendern.

1 alle zitate aus: "Hamas: 50,000 gunmen are ready to fight IDF, defend the Gaza Strip", online-ausgabe der haaretz, am 28. sep. 2007,
im abgleich mit artikeln auf http://www.imemc.org/ und www.maannews.net/en

Sexy Power fuer die israelische Armee

israel denkt darueber nach, auch frauen in die combat-units (kampfeinheiten) der armee aufzunehmen: “to enforce the power of the israeli army”

bis dato muessen frauen zwei jahre in der armee dienen (ausnahme bei schwangerschaft), sie werden aber „nur“ zur grenzsicherung, an checkpoints zu gaza und in der westbank und im innerisraelischen militaerdienst eingesetzt. an kriegerischen kampfhandlungen (wie etwa im 2. libanonkrieg letzten sommer) nehmen sie nicht teil, zumindest nicht an der frontlinie.
wie wohl jede gesellschaft auf dieser welt, tut sich auch die israelische schwer damit, seine frauen an forderster front sterben zu sehen (dieses privileg des heldentodes fuer den juedischen staat ist maennern vorbehalten!)

darum startet das militaer eine kampagne, frauen in der israelischen armee. mit privaten sexy bildchen und dummen spruechen. auch eine arabische zeitung berichtet darueber. koennen frauen die schlagkraft der israelischen armee erhoehen?





NUR HIER: ULTIMATIVER ABENTEUERURLAUB!

THE ISRAEL LAW CENTER:

wer dieses jahr noch keinen urlaub gemacht hat, fuer den haben wir hier das ultimative angebot. ein einmaliges: abenteuerurlaub auf israelisch, vom 5. nov. bis 12. nov. 2007, fuer den schlappen preis von 2185 usd (ca. 1575 euro), natuerlich incl. verpflegung, unterkunft, ausfluegen und gehirnwaesche!

und dies ist ein wirkliches abenteuer, nicht wie in so vielen prospekten diverser urlaubsanbieter mit loewen-gucken und krokodilfuetterung. nein, hier wird nervenkitzel pur geboten: dem tod ins auge schauen, echten terroristen gegenueberstehen, eine wirkliche frontlinie besuchen, unglaubliche helden mit fast uebermenschlichen faehigkeiten treffen, heros zum anfassen und wirkliche spione, wie aus zeiten des kalten krieges bestaunen! na, wenn das mal nix ist! neugierig?

dann hier das prgramm mit seinen hoehepunkten der einmaligen tour mit dem bescheidenen namen „The Ultimate Mission“, ultimativ....:

  • nachdem sie am abend zuvor im luxus-sheraton plaza in jerusalem abgestiegen sind und sich ihre erste gehirnwaesche (lesung: „der siebte arabisch-israelische krieg: durchbrechen des paradigma“) abgeholt haben, steht der erste tag unter dem motto: „die terroristische realitaet“
  • wir beginnen diesen morgen mit gefasel eines ECHTEN ehemaligen spions und terrorismusexperten des inlandsgeheimdienstes shin bet: „die verwendung von informanten, analysen und gegenterrorismus“ als hoehepunkt des morgens leifern wir ihnen auch noch einen verraeter, verzeihung, einen palaestinensischen verdeckten ermittler, der nix geringeres als die palaestinensiche regierung infiltriert hat! na, schon heiss? dann setzten wir gleich noch ne weitere hirnwaesche drauf, mit dem titel „israel’s fall von praeventiver selbstverteidigung“ – sie meinen schon zu wissen, was praeventive selbstverteidigung im falle israels bedeutet? machen sie sich auf grausames gefasst!
  • in tel aviv gibt es dann ein echtes arabisches mittagessen, im historischen teil der stadt. wie, sie wussten nicht, dass die gegend von tel aviv mal arabisch war? na jetzt nicht mehr, wir haben nur das restaurant erhalten, zu anschauungszwecken. die araber koennen speissen!
  • danach sagen wir ihnen, warum tel aviv besser nicht mehr arabisch ist. ein berater des verteidigungsministers klaert sie auf: „israels antwort und bereitschaft im feindlich gesinnten mittleren osten“ und um ihn zu untermauern, schicken wir ihnen einen richtigen HELDEN nach, einer, der ganz allein die syrer im yom-kippur-krieg 1973 besiegt hat, ein echter general. sie werden schon sehen!
  • so, nun kennen sie die terroristische realitaet im nahen osten! wie, nur eine einseitige betrachtung. der palaestinensiche spion reicht ihnen wohl nicht? wir werden sie schon ueberzeugen. der zweite tag steht unter dem motto: „die judicative realitaet“. ja, jetzt praesentieren wir ihnen den auslandsgeheimdienst israels, den MOSSAD. bestimmt schon von gehoert, oder? „einfuehrung in die ausstattung und ausruestung der palaestinensichen terrorvereinigungen“, von noch dienenden OFFICIER des mossads.
  • und dann gibts nen rundgang durch eine richtige militaerbasis in der naehe von jerusalem. sie denken, sie kennen schon eine kasserne aus ihrer wehrzeit? ppfffff. vergessen sie’s. hier spielt der krieg, hier gibts noch echte militaerlager, die nach schwarzpulver riechen und echte munition gelagert haben, nur vom feinsten und modernsten.
  • aber heute ist ja die justiz das motto, also haben wir ein echtes sahnestueck fuer sie, sie werden augen machen, denn das gibt’s wirklich nur in israel (na gut, vielleicht noch in guantanamo): „verfolgen sie unmittelbar einen strafprozess gegen einen HAMAS-TERRORISTEN.“ ja, ein richtiger terrorist wird vor ihren augen verurteilt werden, garantiert. woher wir das jetzt schon wissen? na weil er ein terrorist ist, der hamas angehoert und schuldig ist. keine frage. aber lassen sie sich nicht die spannung verderben.
  • und um ihnen das zu zeigen, werden wir sie am nachmittag zu einem MILITAERCHECKPOINT an der grenze zur westbank fuehren. und nicht irgendeiner, nein, sie werden die soldaten beobachten koennen, die eine der „am meisten von terroristen benutzten strasse bewachen: bei qalqilia“ na, da schlottern schon ihre knie? aber keine angst, sie werden beschuetzt. und der chef der humanitaeren einheit des militaers wird auch dabei sein, nur fuer den fall... nein, er wird sie natuerlich aufklaeren, wie die terroristen krankenwagen benutzen, um sprengstoff und bomben zu schmuggeln, und wir deshalb keine humanitaeren notfaelle hier durchlassen, auch wenn jemand drauf geht.
  • und nach so viel „justiz“ an diesem tag fahren wir am abend an den see genezareth, zur entspannung und einer mondscheinbootsfahrt.
  • am naechsten tag wollen wir uns der „militaerischen realitaet“ als motto zuwenden. wie, das war schon alles militaerisch bis jetzt. nein, KRIEG! wir meinen dem krieg zuwenden! wir besuchen erstmal ein antikes fort, vom dem aus die juden bis auf’s letzte gegen die roemer gekaempft haben, waehrend der grossen juedischen revolte im jahre 67v.chr. jaja, schon damals haben wir hier krieg gefuehrt, auf den GOLANHOEHEN.
  • doch genug geschichte, lassen sie sich dann entfuehren zur richtigen truppe: die panzerdivision an der syrischen grenze. treffen sie auf ein schwaezchen mit den eltern von gefallenen soldaten im letzten libanonkrieg zusammen. ihr aufpasser wird dabei der pr-chef des aussenministeriums sein! wieso fragen sie? na, sie wissen schon, vielleicht sollte doch besser ich ein paar ihrer fragen an die eltern beantworten. man weiss ja nie. er kann doch schliesslich sowas.
  • sie wollen jetzt was richtiges sehen! schliesslich haben sie einen ABENTEUERURLAUB gebucht! richtig? keine sorge, frisch gestaerkt, und nach sovielen gehirnwaeschen durch verschiedene „briefings“, locken wir sie nun direkt an den feind. sie haben die einmalige gelegenheit, eine grenz-ueberwachungseinheit und – pionierdivision an der libanesischen grenze bei ihrer arbeit zu beobachten! sie bekommen natuerlich persoenlichen schutz durch den oberkommandeur der NORDDIVISION!
  • und auklaerung! ja, aufklaerung bekommen sie auch. der nord-front-kommandeur wird sie unterrichten ueber die bedrohung der hisbollah im sueden libanons. ganz in ihrer naehe, gleich dort, hinter dem zaun an dem sie stehen werden! na, haben wir zu viel versprochen?
  • ja, krieg, das ist schon traurig. darum nun der vierte unter dem motto „die menschliche realitaet“ der direktor dieser ganzen veranstaltung persoenlich, also der chef des „israel law center“, wird nun ihren kopf ein bischen waschen: „den kampf gegen palaestinensische terrororganisationen, ihre fuehrer und geldgeber vor gericht bringen!“
  • und auf die theorie folgt auch sogleich die praxis. ihre „gerichtsverhandlung“ hatten sie ja schon, darum hier der besuch der arbeit im feld: ein echtes noch existierendes arabisches dorf mitten in israel! toll! das funktioniert? – werden sie sich bestimmt fragen. ja! das gibt es noch! und dort, wo es das nicht mehr gibt, haben WIR ja dafuer gesorgt, dass der abriss der doerfer auch legal ist. erklaer ich ihnen an diesem morgen...
  • am abend beginnt der shabbat, und darum widmen wir uns am nachsten, am fuenften tag dem motto: „die historische und religioese realitaet“ die torah-worte spricht fuer sie ein israelischer NOBELPREISTRAEGER fuer oekonomie
  • sie haben recht, ACTION wollen sie. action kriegen sie: wir besuchen am naechsten tag eine luftwaffenbasis!, na action genug? passen sie mal auf, unter dem motto: „die politische realitaet“ nimmt sie ein ehemaliger air force general in die mangel. ...nein, nein, keine sorge, nur ihr gehirn, ihnen wird nichts passieren. „die tatsachen der israelischen politik der gezielten toetung“ schaurig, nich wahr?
  • na, wir bringen sie dann lieber gleich und direkt an den schauplatz, wo wir das praktizieren..... na, wollen sie’s wissen? schon gespannt? achtung action! ja, an die grenze von GAZA! richtig, das kleine terrornest im suedwesten israels. aaeehhhh, also das stueck, wo wir vor zwei jahren abgezogen sind. am modernsten checkpoint israels, eretz, duerfen sie einer lesung beiwohnen. aeh, also aus sicherheitsgruenden muessen sie ihr beiwohnen. „gaza: die bedrohung der sicherheit nach dem israelischen abzug“ es liest fuer sie: der kommandeur des grenzpostens!
  • auf die theorie folgt die praxis: die RAKETEN, von denen ihnen der kommandeur erzaehlen wird, koennen sie auch direkt bewundern. naemlich?, ja, genau, in sderot. die stadt, die „unter staendigem beschuss von raketen steht“ und damit sie auch garantiert eine zu sehen bekommen, bleiben wir solange dort, BIS EINE KOMMT! dafuer zahlen sie ja auch schliesslich. oder? na gut, zumindest ueber’s mittagessen aber. sie wollen doch die action, nich?
  • genau, und deshalb hier mal wieder was richtiges: sie bekommen eine demonstration von RICHTIGEN ELITESOLDATEN wow! sie werden ihnen vorfuehren, wie sie gewoehnlich in ein arabisches dorf einmarschieren und palaestinenser entfuehren. sie werden ihnen zeigen, wie die politik des „erst schiessen und dann fragen“ in der realitaet aussieht! wow! einfach riessig! gewaltig, das ist action! sie werden ugen machen! versprochen!
  • huuuh, nach so viel ADRENALIN brauchen wir mal wieder ein „briefing“, oder nicht? doch! „die rechtliche und moralische gratwanderung zwischen israelischem zivilrecht und israelischer sicherheit“ irgendwer muss ihnen ja schliesslich erklaeren, dass alles gut ist, was unser militaer und recht so veranstalten. nech wahr!?

ALSO NIX WIE RAN UND BUCHEN!

HIER NOCHMAL DIE REISEROUTE IM DETAIL.

(keine sorge, klickt ruhig drauf und schaut euch diese webpage an, ihr muesst nicht gleich wirklich buchen)

oh, haetten wir doch glatt vergessen: wer dabei sein will, bei diesem unglaublichen und einmaligen angebot, der muesste dann noch so ne kleine, also ist auch steuerlich absetzbar, also so ne spende von ONLY, doch allerdings mindestens 500 dollarn an uns zahlen, das israel law center, ihr freundlicher REISEUNTERNEHMER.

wir behalten uns natuerlich das recht vor, jeden angemeldeten nach sorgfaeltiger pruefung seines hintergrundes, also sie wissen schon, wie so ihre meinung ist, ihre einstellung zu dem ganzen und so, direkt aus der gruppe entfernen zu lassen! zum schutz der anderen, versteht sich!

Boeses, boeses Deutschland!

wenn das palaestinensische volk so dumm ist, die hamas mehrheitlich zu waehlen, dann soll auch das ganze palaestinensische volk dafuer bestraft werden und unter oekonomischen, sozialen und militaerischen strafen leiden.

wenn das iranische volk so dumm ist, einen ahmadinedschad zum praesidenten zu waehlen, dann soll auch das gesammte iranische volk dafuer buessen!

so aehnlich koennte die auffassung von assaf uni, korrespondent der haaretz, sein.

sollte jetzt also deutschland all seine exporte nach iran einstellen, keinerlei business mehr mit iranischen firmen machen, alle geschaeftsbeziehungen einstellen? sollen wir jetzt iran mit seinen menschen vergessen, keinerlei produkte fuer’s taegliche leben mehr liefern, die beziehungen zu mittelstaendischen, zu familienbetrieben und organisationen im iran aufkuendigen? alles nur, weil uns der iranische praesident nicht passt?

assaf uni macht deutschland vorwuerfe dafuer, dass wir der groesste exporteur fuer iran sind, und schreibt darueber einen artikel in der online-haaretz. zum anlass nimmt er die bevorstehende konferenz in darmstadt unter dem titel: „iran – geschaeftliche moeglichkeiten fuer deutsche exporteure“

er zitiert dabei eine „diplomatische quelle“ mit den worten: "On one hand, they are supportive of sanctions against Iran on the nuclear issue, but on the other hand they are conveying an image of business as usual." (auf der einen seite unterstuetzen sie [deutschland] die sanktionen gegen iran auf grund des atomprogramms. aber auf der anderen seite foerdern sie ein image vom weiterfuehren normaler geschaeftsbeziehungen.)

und er setzt noch einen drauf. israelische beamte, so schreibt er, verweisen naemlich auch auf eine geplante theaterauffuehrung von „mutter courage“ im iran eines berliner ensembles und auf das bereits gelaufene konzert der innsbrucker symphoniker im iran. die „diplomatische quelle“ fragt sich dabei, was denn die iraner davon halten sollten? das sich nichts wirklich geaendert haette [seit ahmadinedschad]?

also sollte deutschland jetzt nicht nur seine geschaeftsbeziehungen mit iran einstellen, auch sein kulturelles programm. am besten schliessen wir gleich das goethe-institut und die dt. botschaft in teheran. weil die menschen falsch gewaehlt haben! oder was?

oh, und da faellt mir doch ein, lieber assaf uni, wer im glashaus sitzt sollte nicht mit steinen werfen!

wieviel verdienen israelische geschaeftsleute taeglich im von „terroristen besetzten und mit einer terroristischen regierung bestueckten“ gazastreifen? gab es nicht internationale sanktionen gegen die hamas-gefuehrte palaestinensische regierung, seit ihrer wahl 2006 bis zu ihrem endgueltigen auseinanderbroeckeln im mai 2007?

2 mio us-dollar taeglicher umsatz israelischer firmen allein im gazastreifen machen israel zum groessten exporteur fuer gaza! trotz sanktionen, trotz einer regierung die international als terroristische vereinigung gilt!

mr. assaf uni, don’t support the government, but support the people by providing them essential goods for their daily life and by offering them cultural events and humanitarian aid, like your government does in gaza and my government does in iran.

"Iran and Germany: Business as usual?", online-haaretz, am 17. sep. 2007

Wie Hitler im 2. WK

nahezu taeglich kann man in israelischen medien aufrufe an das militaer lesen, endlich in gaza einzumarschieren und dem qassam-raketen-beschuss aus gaza ein ende zu setzen. besonders, nachdem nun in der letzten woche das militaercamp getroffen wurde, bei dem es 15 verletzte gab. die regierung um premier olmert findet immer wieder „ausreden“, so heisst es z.b. heute in der online-haaretz, warum sie keine ernsthafte militaeroperation in gaza starte. eine davon ist die folgende: ”We do not want to open a second front, in addition to the one up north. After all, we do not want to get caught fighting a two-front war.” (wir wollen nicht, zusaetzlich zur nordfront, eine zweite front eroeffnen. wir wollen nicht in einen zwei-fronten-krieg rein gezogen werden.)

ansich soweit verstaendlich. diese aussage ist eigentlich auch nicht neu, sie diente fuer israel seit der hamas-uebernahme von gaza als grund dafuer, nicht wieder in den strip einzumarschieren.

in dem meinungsartikel in der online-haaretz macht allerdings der autor eine interessante assoziation, die ich fuer weithergholt empfinde und fuer ueberhaupt nicht vergleichbar. aber macht euch selbst ein bild. er schreibt naemlich nach dem olmert-zitat weiter: This will remind those who still remember World War II of the two-front issue then. Hitler did not want to fight a two-front war so he signed, to the amazement of all, the Ribbentrop-Molotov non-aggression pact with the Soviet Union. The pact gave him the chance to knock France out of the war before taking on the Soviet Union. After the Germans plunged into the Soviet Union, Stalin and his many admirers campaigned for the opening of a "second front" in the west so that Hitler would be forced to fight a two-front war.” (das erinnert die, die noch den 2. weltkrieg im kopf haben, an die zwei-fronten-situation dort. hitler wollte keinen zwei-fronten-krieg fuehren, also unterzeichnete er, zur ueberraschung aller, den ribbentrop-molotov nicht-angriffspakt mit der sowjetunion. dieser pakt gab ihm die chance, erst frankreich zu nehmen, bevor er sich wieder der sowjetunion zu wandte. nachdem die deutschen in die sowjetunion eingefallen sind, hat stalin mit seinen vielen anhaengern eine kampagne gestartet, eine zweite front im westen zu eroeffnen, so dass hitler gezwungen wuerde, einen zwei-fronten-krieg zu fuehren.)

soviel ahnung ich ueber die derzeitige israelische situation habe, und so wenig ahnung ich von der militaerischen strategie des zweiten weltkriegs habe, aber hier werden aepfel mit birnen verglichen. die situation israels ist ganz gewiss eine komplett andere als die hitler-deutschlands im august ’39.

jetzt verwundert es mich allerdings, dass der autor dieses haaretz-artikels seiner regierung nicht vorschlaegt, mit einer der fronten (hezbollah und syrien im norden oder hamas/gaza im sueden) erstmal einen nicht-angriffspakt abzuschliessen (hamas in gaza hat am samstag oeffentlich erklaert, ueber einen waffenstillstand mit israel nachzudenken), um die situation an der anderen zu klaeren und sich dann mit gebuendelten kraeften wieder der zweiten front zu widmen (so wie es hitler-deutschland getan hat). nein, er schlaegt vor, jetzt in gaza einzumarschieren, die situation dort zu klaeren, auch auf die gefahr hin, in einen zwei-fronten-krieg gezogen zu werden. denn israel sei ja im zwei- und auch im drei-fronten-krieg erprobt. wenn der autor also eh eine andere strategie vorschlaegt, wozu dann der geschichtsschwenk zum dritten reich am beginn seines artikels?

"A license to kill", online-haaretz, am 17. sep. 2007
kommentare erbeten!

Ein Zeichen?



welch besonderes jahr: 5768 nach dem juedischen kalender ist angeklungen (mittwoch auf donnerstag) und just an dem selben ersten tag im neuen juedischen jahr, dem donnerstag (13. sep. 2007 nach gregorianischem kalender) beginnt auch der heilige fastenmonat ramadan fuer die muslime dieser welt.

ein geteiltes land, zwei zerstrittene voelker, kriegsgegner seit 60 jahren. dieser tage koennen sie, wenn auch nicht gemeinsam, so doch nebeneinander feiern. israel ist noch bis sonntag in den grossen ferien: alles zu, alles muessig, kein verkehr, alles abgesperrt. palaestina zelebriert muessiggang, bis es dunkel ist: alles zu, alles muessig, kein verkehr, alles hungrig und gereizt.

solch friedliche tage hat das heilige land wohl seit hunderten jahren nicht mehr gehabt (abgesehen von den hakenkreuzschmierereien an synagogen bei tel aviv und paderborn, die grad die israelischen medien beschaeftigen) und vielleicht ist diese besondere sternenkostellation (beide feiertage haengen vom mondstand ab, fallen also immer auf andere tage im gregorianischen jahr) auch ein wink, ein kosmisches zeichen oder hoeherer einfluss, der optimistisch in die zukunft blicken laesst. warum nicht den frieden mit einem gemeinsamen feiertag beginnen, dem 13. sep. 2007, heiliger beginn des ramadan und und rosh hashana. alles gute.

und noch eine kuriositaet: am donnerstag haben wir in palaestina die winterzeit zurueckgestellt. das heisst, wir haben gerade die selbe uhrzeit wie in deutschland, bis ihr auch wieder zurueckstellt. allerdings stellt israel erst am sonntag um. also zur zeit ist es 12 km weiter westlich eine stunde spaeter als hier und ein paar hundert kilometer weiter westlich, in europa, ist es wieder eine stunde frueher, genau wie hier. gut, dass ich gerade nicht verreisen muss.

Der Tagesspiegel

ich habe ja keinen einfluss darauf, welche nachrichten in dem newsreel auf der rechten seite dieses blogs auftauchen und angezeigt werden. doch dieser artikel hier, am 12. september im tagesspiegel erschienen, ist doch mal eine kommentierung wert. denn soviel falsches in einem so kurzen artikel ist eine journalistische schande. da frage ich mich doch wieder, wo die reporter sitzen und was ihre recherche-methoden sind. und nur fuer den fall, dass einer von euch das newsreel nutzt, und damit auch diesen artikel gelesen hat, moechte ich hier mal die richtigstellung dieser wertlosen arbeit anbringen. es geht in dem artikel um ein papier, um einen „Entwurf einer israelisch-palästinensischen Prinzipienerklärung“, welches der tagesspiegel aus einer palaestinensischen newsagentur zum anlass nimmt:

als erstes mal klingt schon die ueberschrift: „Israel dementiert angebliche Friedensplaene mit Palaestina“, als ob es tatsaechlich keine gaebe. tatsaechlich aber verhandeln olmert und abbas seit der gaza-uebernahme durch die hamas wieder direkt miteinander. es geht um frieden zwischen israel und palaestina und einer zwei-staaten-loesung. wenn das mal keine friedensplaene sind, dann weiss ich auch nicht. denn beide aeussern immerwieder oeffentlich, dass sie an einem endgueltigen friedensplan zusammen arbeiten. aber die deutschen glauben nun, esgaebe keinerlei friedensplaene zwischen israel und palaestina. danke.

gleich im subtitle gehts dann weiter: „Die israelische Regierung hat Berichte über einen angeblichen Friedensplan aufs Entschiedenste zurückgewiesen.“ und am ende des ersten absatzes folgt noch: „Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Omert erklärte am späten Dienstagabend, dass ein derartiges Dokument nicht existiere.“ tja, liebe tagesspiegel-redaktion, dann haettet ihr mal das papier, was ihr hier zum anlass des artikels nehmt, auch bis zum ende weiterlesen sollen. denn am ende dieses papieres steht, dass der palaestinensische verhandlungsfuehrer mit israel, der an der ausarbeitung dieses papieres mit beteiligt war, erklaert, dass olmert und abbas keinerlei vereinbarungen getroffen haetten, was die siedlerfrage in der westbank angeht. und da steht, dass die teams beider seiten an diesem plan immernoch arbeiten. beide seiten haben expertenteams einberufen, die ein thesenpapier anfertigen sollen, dass als grundlage fuer den angekuendigten nahost-gipfel im november in washington dienen soll. dieses prinzipienpapier ist kein plan, kein vertrag und auch kein „friedensplan“, wie ihn der tagesspiegel vorschnell nennt. und solange die expertenkommissionen noch dran arbeiten, wurde dieses thesenpapier noch nicht den ministerpraesidenten vorgelegt. also muss das israelische ministerpraesidentenbuero dementieren, dass es einen 8-punkte-friedensplan gibt. und haette der tagesspiegel an dieser stelle mal weiter recherchiert, waere er vielleicht auch darauf gekommen, dass solch ein prinzipienpapier von beiden praesidenten angestrebt wird fertig zu haben, wenn der gipfel beginnt. denn beide wollen nicht mit leeren haenden in den gipfel gehen. allerdings moechte abbas gerne in solch einem papier auch einen zeitplan haben, und olmert will nur die prinzipien drinne stehen haben, die zu einer zwei-staaten-loesung fuehren, ohne jedoch fester zusagen, ob wirklich und wann ueberhaupt. und dieses hier genannte „prinzipienpapier“ ist der erste entwurf eben der expertenteams, die von den praesidenten einberufen worden. jedoch kein friedensplan. aber das, lieber tagesspiegel, steht auch am anfang des papieres.

auch im ersten absatz ist zu lesen: „Jerusalem sollte demnach zu "zwei Hauptstädten für zwei Staaten" werden, mit den jüdischen Wohngebieten unter israelischer und den arabischen Wohngebieten unter palästinensischer Hoheit.“ stimmt soweit, allerdings ist es auch erheblich, dass in dem papier weiter steht, dass eine spezielle administrative behoerde entstehen soll, die den zugang fuer alle religionen zu den heiligtuemern jerusalems gewaehrleisten soll. sprich eine ueberkonfessionelle und durch beide seiten bestueckte verwaltung fuer jerusalem als heilige stadt. das veraendert doch die schlichte aussage des tagesspiegels erheblich! denn es geht nicht um die teilung der stadt!

zwei saetze im ersten absatz und beide sind dumm. der zweite absatz beginnt mit den worten: „Der angebliche Entwurf einer israelisch-palästinensischen Prinzipienerklärung...“ der entwurf existiert, ist also nicht nur angeblich. dies bestaetigen auch israelische quellen, die mit daran arbeiten! haette man rausfinden koennen, lieber tagesspiegel.

der zweite satz im zweiten absatz: „Der von Maan veröffentlichte Entwurf sieht einen demilitarisierten palästinensischen Staat "auf der Basis der Grenzen von 1967" vor,...“ das waere ja zu schoen um wahr zu sein. das hier zitierte papier sagt naemlich woertlich: „ein entmilitarisierter palaestinensischer staat innerhalb der ’67 grenzen.“ und lieber tagesspiegel, „innerhalb“ meint nicht „auf der basis von“, sondern irgendwo innerhalb der ’67-grenzen. und das ist nicht nur ein uebersetzungsfehler. denn das zitierte papier fuegt gleich an: „der tatsaechliche grenzverlauf wird abhaengig von sicherheitsfragen, der demografischen entwicklung und humanitaeren gegebenheiten festgelegt werden.“ und das laesst doch tief blicken, die grenzen von der demografischen entwicklung abhaengig zu machen bedeutet nix anderes, als dass teile mit ueberwiegend juedischer bevoelkerung innerhalb der westbank israel zugeschanzt werden. sprich alle grossen siedlungsbloecke in der westbank. und abhaengig von sicherheitsfragen bedeutet, israel wird die grenzen ziehen wie es grad passt, denn „sicherheitsfragen“ sind interpretationssache, wie wir in diesem konflikt gelernt haben. also nix mit ’67-grenzen. eigentlich sagt das papier nur, dass es definitiv nicht ausserhalb der ’67-grenze einen palaestinensischen staat geben wird.

kommen wir zum dritten absatz. am ersten satz hab ich nix auszusetzen. doch der zweite: „Bei dem von militanten Palästinensern durchgeführten Angriff auf ein Militärlager an der Grenze zum Gazastreifen waren am Dienstag 49 israelische Soldaten verletzt worden.“ also erstmal war es kein „angriff auf“, sondern einfach nur ein zielloser raketenabschuss, wie es immer ist. nur das dieser eben mal was traf, wie es fast nie der fall ist. aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. ist aber doch ein unterschied, ob palaestinenser ein militaerlager angreifen oder eine ziellose rakete in eines eingeschlagen ist! oder nicht? dann hat die rakete ein versorgungszelt getroffen, neben dem soldatenneulinge geschlafen haben. die israelischen medien berichten von einem kritisch verletzten, 4 schwerverletzten und 10 leichtverletzten. und die restlichen 54 haben einen schock erlitten. die israelischen medien sprechen daher von 69 opfern! also entweder man listet die 15 verletzten, oder uebernimmt die propagandistische zahl der israelischen medien, aber nirgends ist die rede von 49 verletzten!

im naechsten satz heisst es: „Die israelische Regierung wolle aber erst am Sonntag über eventuelle Gegenmaßnahmen beraten,...“ ich hab davon nix gelesen, aber gut. fakt ist jedoch, dass israel sofort mit einem luftangriff reagiert hat, auch wenn dieser von militaersprechern nicht als vergeltungsschlag dafuer proklamiert wurde, und in der folgenden nacht auch mit einer kleinen bodenoffensive reagierte. offiziell natuerlich auch nicht als vergeltung fuer den raketenangriff. doch was heisst das schon. und die israelische aussenministerin livni hat gemeint, israel habe auch nicht-militaerische mittel, um vergeltung dafuer zu ueben. denn das israelische militaer will nach wie vor keine grossangelegte offensive in gaza starten, zu riskant und unberechenbar.

und der letzte satz des artikels wurde bereits von kommentatoren der zeitung berichtigt, dass das juedische neujahrsfest nicht dienstagnacht, sondern mittwochnacht beginnt. denn dieses fest darf niemals an einem mittwoch, freitag oder samstag durchgefuehrt werden. und dienstagnacht meint ja praktisch mittwoch, wohingegen mittwochnacht natuerlich nach mitternacht meint. aber das haette wahrscheinlich wieder ein wenig recherche gebraucht, das heraus zu finden. dafuer scheint offensichtlich beim tagesspiegel keine zeit mehr zu sein.

leider ist dem artikel kein autor zu entnehmen, lediglich der hinweiss „mit afp“ und auch bin ich nicht gewillt, mich zu registrieren, um in der online-ausgabe des tagesspiegels kommentare abgeben zu koennen. also meine kritik nur hier an dieser stelle. vielleicht ist ja einer von euch bei tagesspiegel-online registriert oder kennt den journalisten, der fuer den nahost dort zustaendig ist und diesen mist verzapft hat. nur zu!

Kum Kum 3 - Ein Stueck Israel im Sinai

“an der (israelisch-aegyptischen) grenze sagst du einfach ‘kumkum three’”, mit dieser meiner einzigen reiseinformation bin ich also los und auf in den sinai. brav habe ich dem grenzbeamten der aegyptischen borderpolice die worte „kum kum three“ zu geseuselt, sehr skeptisch, ob und wie er reagieren wuerde. sein grinsendes gesicht daraufhin verriet mir schon so einiges. klar, den tip habe ich von freunden aus tel aviv bekommen, linken und alternativen freunden!

die strasse schlaengelte sich am meer entlang, das weit zurueck gezogen und still da lag und seine steinigen ufer, mit alten korallen und riffen preisgab. ebbe. die sonne war bereits hinter den hohen kahlen bergen des sinai verschwunden. nun strahlte alles rot, der strand, die berge auf der anderen, der saudi-arabischen seite, die strasse, der himmel und natuerlich das meer, das rote.

wenn der strand nicht mit bauruinen und halbfertigen luxusanlagen versperrt war, saeumten kleine huetten aus schilf und palmenwedeln das ufer. wie kleine ameisenhuegel trotzten sie dem sand, der sonne, dem wind, der kleine staubpartikel auf seinem heissen zug aus der wueste an die kueste brachte. ich weiss nicht, was unangenhmer war, die heisse sonne, der heisse wind oder die sandkoerner, die mit ihm kamen und alles abschliffen.

paradise, cleopatra, momos, dream oder eben „kumkum three“-beach war auf schildern entlang der strasse zu lesen. und hinter jedem dieser schilder verbarg sich ein kleines stueckchen paradies aus rotem sand, bestueckt mit schnuckeligen afrikanischen huetten, die sonne, wind und sand durchliesen. woher auch immer die tausenden von palmenwedel und -staemme herkamen, sie haben, verbaut als unterstand, rastplatz, die karge und lebensfeindlich wueste in ein stueckchen paradies verwandelt. zumindest fuer europaeische augen und zumindest den schmalen strandstreifen.

wie konnte ich nur so dumm und blauaegig gewesen sein, zu denken, ich werde strom und internet mitten im nichts vorfinden. wie konnte ich nur so naiv sein, zu glauben, ich wuerde meine zeit nutzen koennen, um im kuehlen schatten eines klimatisierten raumes, einer lounge, arbeiten zu koennen. und dafuer habe ich die wirklich wichtigen tools fuer dieses paradies vergessen gehabt: schnorchel und rolling-papers. wieso habe ich angenommen, ich wuerde mehr als nur meine badehose brauchen, wieso ein handtuch, shirts und unterwaesche zum wechseln?

„kum kum three“ empfing mich auf hebraeisch, mit den worten „shalom“, tee und tuete. die worte, die ich noch an der grenze gelesen hatte: „welcome to the islamic-republic of egypt“, hatten ihre bedeutung verloren. meine arabische begruessungsformel ist ungehoert mit dem wind davon getragen worden. auf mein „shukran“ (danke) habe ich nur ein verstaendnissloses laecheln geerntet. und der manager, aegypter aus dem bilderbuch, wollte offensichtlich nicht glauben, dass er einen touristen zu gesicht bekommt, der des hebraeischen nicht bemaechtigt ist. und keiner sprach english.

nur 40 km hinter der grenze zu israel, kurz vor nuweiba (siehe karte unten), gibt es keine internationalen touristen. die tummeln sich weiter suedlich, um sharm el sheikh, oder am westufer um hurghada. hier, in „kum kum three“ ist der sinai noch israel. diese beachcamps entlang des ufers sind in den achziger/neunziger jahren, nach dem friedensvertrag zwischen israel und aegypten, von israelischen jugendgruppen aufgebaut worden. damals noch als politikum geplant, als vorreiter einer israelischen siedlungsbewegung in den sinai hinein, um den sinai wieder an israel zu binden, sind sie heute oasen israelischer billigtouristen, die sich die grossen luxushotels des westufers nicht leisten koennen, wo europaeer ihren billig-pauschal-urlaub verbringen. und die bewohner des sinai scheinen sich damit abgefunden zu haben, vom gesetz her zu aegypten zu gehoeren und vom oekonomischen, kulturellen und sprachlichen her noch zu israel zu gehoeren. und sie machen ein gutes geschaeft mit den israelischen studenten.

also war ich wieder der exot, der sich nicht dazu gruppieren konnte, weil die sprachliche barriere zu gross war. denn auch die english-kenntnisse der israelischen studenten liesen arg zu wuenschen uebrig. vielleicht war es aber auch nur eine abneigung gegen den, der aus ramallah kommt, beim feind lebt und araber als freunde hat. denn trotz der meist links-alternativen billig-studenten aus israel erntete ich nur wenig verstaendniss fuer meinen grund, im heiligen land zu sein. aber vielleicht haette ich auch ihre frage nicht verneinen sollen, wenn sie wissen wollten, ob ich aus israel in den sinai gekommen bin. in meinem vokabular gehoert ramallah nicht zu israel, sondern zu palaestina. also komme ich nicht aus israel, auch nicht aus den „palestinian territories“, auch nicht aus der westbank, sondern aus palaestina. naja, irgendwer muss es ihnen ja mal sagen. denn ramallah selbst hatte noch kaum jemand von ihnen gehoert, geschweige denn konnte es jemand geografisch zuordnen. es ist schon traurig mitzubekommen, wie wenig sich die kommende bildungselite, was ja die studenten eines staates darstellen, sich mit ihren nachbarn beschaeftigen, sich auskennen, wenigstens theoretisch. sie ignorieren einfach, dass es da noch etwas gibt, ausser israel, dass die besetzten gebiete auch mit anderen menschen als nur juden besiedelt sind, und es dort noch mehrere orte als nur die israelischen siedlungen gibt. und ihr desinteresse am nachbarn wird durch gesetze ihres staates noch unterstuetzt. zum beispiel solche hinrrissigen wie das verbot fuer israelis, in die area a der besetzten gebiete zu fahren. ich habe versucht, einige von diesen, sonst doch sehr aktivistischen, studenten dazu zu bringen, zivilen ungehorsam zu leisten und dieses gesetz ihrer regierung zu ignorieren und nicht zu akzeptieren, in dem sie einfach mal die nachbarstadt besuchen, ihre nachbarn besuchen, z.b. in ramallah. doch glaube ich vergebens...



Rausch des Paradieses

so viele schoene geschichten sind mir eingefallen, traeume, ideen, gedanken und erlebtes skuriles und paradiesisches; doch mangels elektrizitaet in meinem camp habe ich keine dieser stories aufgeschrieben. papier und stift lagen zwar zur hand, doch irgendwie kam immer was dazwischen. ihr wisst ja wie das ist, wenn man so schwer damit beschaeftigt ist, die aufrechterhaltung seiner rauschzustaende zu gewaehrleisten.

da war der rausch der farben- und formenvielfalt unter wasser, die zu erkunden mittels brille und schnorchel einen grossteil meiner arbeit im urlaub ausmachte. korallenriffe umlagerten den strand meines camps und fuer mich war es der erste ausflug in lebensraeume wie diesen. sich zusammen mit den buntesten fischen und ausgefallensten korallen in dem azur-blauen klarstem wasser zu tummeln und sich auf den folgenden sonnenbrand zu freuen. (und jetzt bin ich sowas von braun! wird allerdings in der kaelte ramallahs schnell wieder verschwinden. laecherliche 20 grad waren gestern um mitternahct, als ich wieder zu hause ankam, brrrr)

dann war da noch der rausch der voellerei. schwerstarbeit, das reichliche arabische essen, dass nie nur einen teller ausfuellt, sondern immer den ganzen tisch beansprucht, komplett zu vertilgen. viermal am tag habe ich diesen job auf mich genommen, habe unter palmenwedeln auf kissen gelegen, wie wohl saladin selbst nicht koeniglicher haette speissen koennen.

und wer viel isst, muss auch viel verdauen und somit viel relaxen. aber auch hier spreche ich von schwerer arbeit: der rausch des paradiesischen strandes. bei 50 grad unter der wuestensonne des sinai ein schattiges plaetzchen zu finden, das auch noch guenstig in der windeinflugschneisse liegt, so dass wenigstens ein wenig abkuehlung simuliert werden kann. und natuerlich ist es mit dem finden eines solchen plaetzchens nicht getan, denn die sonne wandert, also muss auch der schattensuchende mitwandern. und so paradiesisch das auch klingen mag, die palmenwedel meiner huette oder des „restaurants“ des camps sind nicht dicht wie eine mauer. sondern licht- und sonnendurchlaessig. der feine, roetliche sand des strandes ist heiss. wirklich heiss. und so kaempft man sich durch die glut der sonne, geht wie ueber kohlen durch den weichen sand und wandert von einem palmenwedel unter den naechsten, befreit seinen bevorzugten liegeplatz von muschelstueckchen und schaut sehnsuechtig auf das strahlende meer und seine erfrischenden fluten. wenn doch nur die sonne nicht so erbarmungslos brennen wuerde...

doch dafuer gibt es ein weiteres rezept, einen vierten rausch, der die muessigkeit unterstuetzt, die sonne brennende sonne sein laesst, die farben intensiviert, das rauschen des meeres und der palmenwedel meiner huette verzaubert und verstaerkt... und um diesen rausch aufrecht zu erhalten, bedarf es natuerlich auch eines gewissen zeit- und arbeitsaufwandes.

ihr seht, mein tag war voll ausgelastet. auch ohne strom, und damit ohne licht, ohne uhrzeit, ohne klingelnde handys, ohne laptops und all dem zivilisatorischem schnick-schnack gibt es viel zu tun. schlafen, essen, schnorcheln, rauchen, schlafen, essen, rauchen, schnorcheln, schlafen... und ich koennt jetzt so weiter schreiben!

und nach diesem anstrengendem hin und her hat mich auch glatt die rueckreise ueberfordert. was auf der hinfahrt noch klappte, ich kam zuegig ans ziel, musste nur die fahrzeuge wechseln, wenn es absolut noetig war und habe auch „nur“ den richtigen preis gezahlt. zurueck bin ich nicht einmal die nur 40 km von meinem camp zur israelisch-aegyptischen grenze in nur einem fahrzeug gekommen. da ging der stress schon wieder los, trampen, warten, ueber preise streiten. und die aegypter, das darf hier mal so gesagt werden, sind elende abzocker. die bescheissen wo’s nur geht und versuchen touristen wie reife zitronen auszupressen. was mir in palaestina nie passiert, als tourist ausgenommen zu werden, weil der araber faelschlicherweise annimmt, alle europaeer seien reich und wuerden mercedes fahren, war um so schlimmer und dreister in aegypten. nicht nur das ich mit drei verschiedenen waehrungen rumkaempfte, deren wechselkurse zueinander ich nicht im kopf hatte, hinzu kam eben noch, dass die strecke in teilstrecken aufgeteilt wurden und somit die preisgestaltung sich erheblich erschwerte. denn halbe strecke bedeutet ja nicht halber preis. und zu meiner ueberraschung feiert israel dieser tage noch das juedische neujahrsfest. also eingeschraenkter bis kein busverkehr... dann noch eine bombe in jerusalem, die es zu entschaerfen galt und viel zeit kostete (die strassen wurden natuerlich abgesperrt), dadurch kein bus mehr, der mich nach ramallah bringen koennte, keine sammeltaxis hinter dem checkpoint usw. ich glaube mit der zeit und dem geld fuer die rueckreise haette ich die gesamte tour nochmal machen koennen.

nichts desto trotz empfehle ich jedem, einen abstecher ans rote meer im sinai zu machen. zwischen hohen, sandig-gelben, ueber roetliche bis schwarze berketten zu sitzen und die vielfalt der meeresfauna und -flora einzusaugen. die arabische gastlichkeit und schlemmerei zu geniesen und ein stueckchen vom paradies einzuatmen.

Al Chalil - "Der Freund" - Hebron...

…die stadt mit einer vertreibungs-, eroberungs- und wiedervertreibungsgeschichte. in hebron leben juden und muslime zusammen in der stadt, schon seit vielen, vielen jahren. doch so wie es scheint, immer schon mit gegenseitigen misstrauen.

die ganze geschichte der stadt hier aufzulisten waere muessig und wuerde auch keine „schuldigen“ oder „opfer“ in der geschichte der stadt ausmachen koennen. zuviel ist schon passiert und zu oft wurden schon menschen vertrieben hier.

heute also „gehoert“ die stadt ausschliesslich dem israelischen militaer. natuerlich nicht per gesetz oder offiziell, aber sie sind die uneingeschraenkten herrscher. sie bestimmen, wer wann wohin gehen darf oder eben auch nicht! sie sperren strassen ab, schliessen geschaefte und riegeln ganze viertel der stadt ab und vedammen sie zu geisterhaften silhouetten ihrer selbst. die eisentore mancher verbarrikadierter geschaefte sind schon mit blumen und strauchwerk bewachsen. dornroeschenschlaf eines ganzen stadtteils; der frueher einmal leben, arabische geselligkeit und geschaeftigkeit beherrbergte. heute sind die einzigen menschen, die man in diesem toten teil hebrons antrifft kleine trupps von israelischen fusssoldaten, die die rueckkehr der natur in die alte stadt bewachen. schwerbewachte, tote geisterstadt. was das kostet! oh, und natuerlich bewachen die fusssoldaten, kommend aus dem riessigen militaerforce in der mitte der stadt und den vier basen auf den huegeln rund um die altstadt, auch die 9 verbliebenen israelischen siedlerfamilien, die ihre behausungen in der altstadt von hebron ueber dem arabischen souk (basar) gepflanzt haben. illegal oder nicht, aus der geschichte heraus legitimiert oder nicht spielt eigentlich keine rolle. selbst wenn eine religion einen moralischen oder geschichtlichen anspruch darauf haette, die altstadt von hebron zu bevoelkern, ist es einfach eine unart und respektlosigkeit sondersgleichen, die souks und bauten der uralten stadt derart zu verschaendeln und zu beanspruchen, in dem man neue haeuser auf die teils hunderte bis tausend jahre alten gebaeude des basars drauf setzt!

die arabisch bevoelkerte (abgesehen von den neun siedlern) altstadt und innenstadt von hebron ist mit einem guertel von neuen israelischen siedlungen umzogen, welche durch ihre existenz viel des fruchtbaren landes zerstoert haben, auf dem einst wein, fruechte aller couleur, getreide und natuerlich oliven wuchsen. doch der charme der inneren stadt, des arabischen hebron ist noch inselweise vertreten. der souk, der zwar klaeglich sein dasein fristet und mehr geschlossene als geoeffnete geschaefte beherbergt, ist ein grosser tummel- und spielplatz. zumindest fuer mich romantisierten europaeischen touristen, der gerne durch die verwinkelten und oftmals ueberdachten gassen straeunt, sich gerne verlaeuft in den vielverzweigten, teils nur anderthalb meter hohen durchlaessen der stadt. muss das befluegelnd gewesen sein, als es noch keine stinkenden und laut hupenden autos an den eingaengen zum souk gab, als noch aus allen geschaeften die rufe der verkaeufer drangen und sich die waren stapelten. als noch karawanen aus allen himmelsrichtungen in die stadt komen konnten, um ihr geschaeft an irgendeinem schattigen plaetzchen des basars zu versuchen.

heute ist der europaeische tourist der einzige kunde, so scheint es. der individuelle, der auf eigene faust die altstadt erkundet und dessen aufmerksamkeit von allen seiten mit den worten „welcome“ versucht wird zu erhaschen. oder der im trupp durchgeschleuste tourist, gefuehrt von ehemaligen und manchmal bewacht von dienenden israelischen soldaten. und dieses bild ist eines, das mal wieder sehr befremdlich ist: in der enge der dunklen gassen des souks, mit arabischen geschaeften und dem typischen arabischen basartreiben, hat man ploetzlich das ende eines gewehrlaufes vor der nase. ein trupp von sechs soldaten, der sechs auslaender durch die altstadt eskortiert und meint, jeden und alles als gefahr zu sehen. du bist solange potenzieller terrorist, bis der trupp an dir vorbei ist. und mal ganz ehrlich, wollte jemand eine bombe zuenden, koennten diese soldaten auch nix mehr ausrichten, in der enge und unuebersichtlichen altstadt hebrons. na hauptsache zeigen, wer herr im hause ist!

das zentrum des touristischen verkehrs in hebron ist die zweigeteilte abraham-moschee. ein juedischer und ein muslimischer teil umschliessen das heiligste der stadt, heilig fuer muslime, juden und christen: das grab abrahams (ibrahims). hier, in dieser moschee entzuendeten sich immerwieder konflikte zwischen juden und muslimen, die hebron zu einem traurigen „zentrum“ der intifadas und des israelisch-palaestinensischen konflikts machen. und bis heute lassen die schlagzeilen aus hebron nicht nach. und bis heute ist hebron anziehungspunkt und ziel fuer besonders radikale israelis der siedlerbewegung. in hebron sind nach wie vor die radikalsten meinungen zu hoeren, von beiden seiten, ist die kluft zwischen israelis und palaestinensern noch am tiefsten, die stimmung am meisten aufgeheizt, da die raeumliche trennung zwischen siedlern und arabern nicht gegeben ist.und an hebron scheiden sich auch die geister der dienenden soldaten der israelischen armee. waehrend in anderen stadten die armee meist ausserhalb sitzt und nur naechtliche aktionen die soldaten in dann meist leere strassen fuehrt, sind die soldaten hebrons direkt in der stadt stationiert, haben taeglichen sehr engen kontakt zur arabischen bevoelkerung und sind staendig praesent. auch wenn die stadt hebron selbst zur area a zaehlt, also unter palaestinensischer verwaltung steht, auch was die sicherheit angeht und fuer israelis der zutritt per (israelischem) gesetz verboten ist. solange hebron fixpunkt der besonders radikalen und unnachgiebigen kraefte des konflikts ist, wird die stadt um die grabmaeler abrahams, jakobs, isaaks, rebekkas und sarahs nicht den noetigen respekt und die noetige meditatorische ruhe fuer die andacht der religioesen an den letzten ruhestaetten finden.
die folgenden bilder sind freudnlicherweise von meiner mitbewohnerin julia zur verfuegung gestellt worden, da meine digicam ja nicht mehr richtig funtzt. meine bilder werden in form von dias nachgeschoben - nicht online sondern offline!




hebron ist nachweislich seit 37 v. chr. von arabern besiedelt gewesen...

Raus und Rein


das ist halt das, wenn man in einem fremden land fuer laengere zeit bleiben moechte. und da bin ich schon froh, dass ich nicht in deutschland als auslaender einen laengeren aufenthalt plane, sondern in palaestina, unter israelischer besatzung. denn in dtl ist es, glaub ich, viel viel schwerer sein visum verlaengern zu lassen, zumal wenn man freiberuflich arbeiten moechte, als es in israel der fall zu sein scheint. vor zwei jahren lief meine visaverlaengerung immer ohne groessere probleme ab, vor knapp drei monaten bin ich zwecks visa-erneuerung nach amman gefahren (ihr erinnert euch...?) und nun muss ich wieder mal das land verlassen, um bei der wiedereinreise ein neues touristenvisum fuer israel zu bekommen. inshallah.


doch diesmal fahre ich nicht nach amman/jordanien, sondern in den sinai/aegypten. wird mein erster aufenthalt in aegypten sein. kennen ja bestimmt viele von euch aus diversen sommerurlauben am roten meer. sowas plane ich nun auch fuer mich: 10 tage in der sonne liegen am roten meer, baden, schnorcheln und faulenzen. obwohl, und wer mich kennt weiss, dass ich nicht fuer strandurlaub geschaffen bin, also ganz so wirds nicht werden. erstens nehm ich mir noch bissel arbeit und den laptop mit und zweitens plane ich schon ein bischen durch die wueste des sinai zu touren. leider bekommt man, aus israel einreisend, nur ein 2-wochen-visum, das auch nur fuer den sinai gueltig ist. sprich ich darf damit nicht nach cairo oder an den nil fahren. aber wer will das schon, schliesslich ist es ja kein urlaub, sondern zwangsmaessiger aufenthalt im nachbarland.


ich hoffe dann mitte september wieder problemlos nach israel einreisen zu duerfen, an der grenze mein neues touristenvisum zu bekommen, um dann meine arbeit in ramallah, bis ende oktober, weiterfuehren zu koennen.


uebrigens, wer grad interessiert ist an der aktuellen politischen situation im nahen osten, wie es den gazianern geht und den menschen in der westbank, der schreibe mir doch kurz eine anfrage, die ich nach wie vor gerne beantworten werde. ansonsten gibt's ein update, wenn ich wieder sicher in ramallah gelandet bin oder, inshallah, wenn ich am roten meer frei verfuegbares internet finde...


und wer sich fragt, wann ich mal wieder deutschland einen besuch abstatten werde: ab 20. oktober plane ich wieder fuer ein paar wochen niedersaechsische und saechsische luft zu schnuppern. auch sollen da meine dias fertig sein, so dass ich endlich weitere bilder vom heiligen land praesentieren kann. wer interesse hat an einem ausfuehrlichen vortrag, mit 100ten dias, diskussion, fragespiel und palaestinensischem essen, der organisiere und maile mir. im november findet sich die zeit dazu.


nun heisst es packen, muss morgen auch meine wohnung hier verlassen und wuensche einen schoenen spaetsommer in dtl, hier ist's angenehm warm :-)


"RICO in the night" by Idiomsfilm