die stadtverwaltung jerusalem hat extra wegen ihm die staedtische illumination der altstadtmauer abgeschalten, damit er, george w. bush, von seinem hotel aus die vor ihm liegende altstadt „unter dem natuerlichen licht des mondscheins bewundern kann“, wie ein sprecher mitteilte.
dumm nur, dass heute der mond bereits um 17:48 uhr wieder untergeht. ausserdem ist neumond, nicht einmal eine sichel...
gestern morgen bin ich gegen 7 uhr von helikoptern geweckt worden. was in deutschen grossstaedten nix besonderes ist, das rattern von rotorblaettern, faellt hier sofort auf. palaestina hat keinen einzigen hubschruber, keinen zivilen, keinen newshelikopter, keinen krankenhelikopter und keine militaerischen. auch die ehemaligen praesidentnemaschinen stehen funktionsuntuechtig und halb verrostet herum (in jordanien). wenn also hubschraubergeraeusche zu vernehmen sind, ist das in der regel kein gutes zeichen. die letzten hubschrauber, die ich in der westbank gehoert und gesehen hatte waren auf dem weg nach hebron. drei stunden spaeter gab es drei tote palaestinenser in der stadt. das ist noch nichtmal eine woche her.
die gestrigen allerdings, vier an der zahl, so erfuhr ich spaeter, gehoerten zum secret service – der amerikanischen praesidentengarde. so also kuendigt er sich an, george w., der gast, der ganze staedte rund um den globus in einen ausnahmezustand und einen dornroeschenschlaf versetzt, wenn er sie besucht. morgen ist’s soweit – die freude haelt sich in grenzen. heute ist er schon in jerusalem angekommen, trifft sich mit olmert, perrez, barak und livni (premier, praesident, verteidiger, aussen).
nach ankunft seiner highness heute auf dem ben-gurion-airport in israel verkuendete er: „unsere unterstuetzung zielt auf das erlangen der sicherheit fuer israel als einen juedischen staat ab.“ israel und amerika haetten beide schwierige umstaende bei ihrer staatenbildung gehabt, und beide haetten unter den harten bedingungen demokratische staaten hervorgebracht. nun ja...
ich meine, wo ich ihm zustimme ist, beide haben die ansaessige bevoelkerung, die ureinwohner, einheimischen, wie auch immer man sie nennen mag, mehr oder minder erfolgreich dezimiert und vertrieben, bzw. sind noch schwer daran zu gange und beide haben ihre staaten mittels krieg aus dem boden gestampft. beide verband bei der verkuendigung ihrer jeweiligen staaten der wille, einen ort zu schaffen, an dem gleichberechtigung, demokratie, freiheit, menschenrechte und minderheitenschutz gewaehrleistet werden sollte und beide hielten diese grundwerte in einer verfassung fest. (und beide missachten diese verfassung hier und da...) beides sind keine homogenen voelker, ihre menschen kamen bei staatsgruendung aus unterschiedlichen kultur- und sprachkreisen, aus unterschiedlichen laendern. die menschen beider laender verband einzig ihr religioeser antrieb (wenn man auch die eigenschaft, religion zur absoluten privatangelegenheit im staat zu erklaeren als „religioesen antrieb“ bezeichnet), also der wille zur freien ausuebung der jeweiligen religionen und ein gemeinsamer leidensweg in ihren jeweiligen heimatlaendern.
viel vergleichbares, neben vielen unterschieden. einer davon ist, dass es bei amerikas staatsgruendungsprozess noch keine un oder „internationale gemeinschaft“ oder „- staatenbund“ gab und der israelische staatenbildungsprozess, der nach wie vor anhaelt, solange die grenzen und die hauptstadtfrage israels (jerusalem ist von vielen staaten und der un nicht als israelische hauptstadt anerkannt) noch nicht geklaert sind, dieser prozess wird observiert von einer weltgemeinschaft.
ach lieber goerge w., und bloss weil ihr sovieles gemeinsam habt in eurer anstrengung einen staat zu gruenden, heisst das wohl, dass auch heute die gleichen mittel, strategien, argumente und denkprozesse fuer dieses ziel angewandt werden duerfen, wie in der zeit nach columbus’ anlandung bis hin zu den amerikanischen unabhaengigkeitskriegen? sind wir kein stueck weiter gekommen in unserem „zivilisatorischen entwicklungsprozess“ hin zur humanitaet? dann scheinst du also nicht einmal darueber nachzudenken, was mit den milliarden passiert, die du jaehrlich in die israelische kriegsmaschinerie pumpst. dann ist es also schon aus prinzip richtig ung gut, eine regierung blind zu unterstuetzen, die krampfhaft versucht, eine demokratie zu bilden, auch wenn dieser prozess mit vollkommen undemokratischen mitteln und mit menschenrechtsverletzungen einhergeht? alleine das ziel zaehlt, nicht aber der weg? (angesichts deiner derzeitigen politik, stellt die letzte frage eine rein rhetorische dar!)
und noch eine frage: angesichts deiner worte „israel als einen juedischen staat“ – wie vereinbart sich das mit demokratie? mit religionsfreiheit? was bedeutet das fuer muslimische und christliche menschen in diesem juedischen staat? vielleicht offenbaren diese worte ja auch deinen innersten wunsch, einen religioesen staat auch auf nordamerikanischem boden zu gruenden. die „united christian states of america“, ucsa.
