Die PR der Hamas

meine frage vom letzten post hat sich am tag darauf selbst erklaert. also nicht selber selbst, sondern sie wurde erklaert, von der hamas in gaza. und sie wurde bestaetigt von der hamas in der westbank. die frage, warum die fatah nach dem selbstmordanschlag in israel zwei verschiedene versionen erklaerte, von wo und wie die taeter nun her-/ hinkamen.

alles wieder bloss eine grosse pr-massnahme. aber eine gelungene. zwar mit nur geringer auswirkung, wie ich nun behaupten kann, aber einfach clever. soll nicht zynisch sein, aber die verwirrung nach dem anschlag, die die mediale macht ueber die weltoeffentlichkeit und deren fuehrer brachte, und die von der hamas in gaza dirigiert wurde, war eine gut durchdachte inszenierung.

angefangen mit den drei parteien, die sich in einer gemeinsamen erklaerung verantwortlich zeichneten fuer die zwei selbstmordattentaeter. sehr bald nach dem anschlag. die verschiedenen pressemitteilungen und auskuenfte von den unterschiedlichen sprechern der fatah-brigaden (eine der sich verantwortlich zeichnenden parteien) ueber herkunft und verfahrensweise der zwei attentaeter. so hiess es, die taeter seien gerade erst uber den sinai und die (zu der zeit noch) offene gaza-grenze in den sinai gekommen. ein anderer sprecher der fatah-brigaden betonte, dass die taeter schon seit dezember in israel abgewartet haetten, also schon vor dem mauerfall rueber gekommen sein. mal kamen sie aus rafah (sued-gaza), mal aus gaza-city (nord). und die eltern der attentaeter in gaza wurden von der presse gefunden – und ach herje, die kinder waren tatsaechlich vor einer woche (als die mauer zum sinai fiel) spurlos verschwunden. keine nachricht, kein handy-signal. sind sie jetzt maertyrer?

soweit waren die nachrichten fuer den abend am anschlagstag (die bomben gingen 10 uhr morgens hoch) in israel und europa erstmal gesichert. man hat weinende eltern der attentaeter in gaza, der shin bet (israelischer geheimdienst) hat die spur der taeter, naemlich aus gaza ueber die offene grenze zum sinai und dann ueber die (ebenfalls) offene grenze nach israel. alles gesicherte geheimdiensterkenntisse. nun wird eine erneute welle von selbstmordanschlaegen ueber israel einhergehen. dann weinende angehoerige der getoeteten israelin.

am naechsten morgen, es dunkelte noch, kam der israelische angriff auf khan younis (im sueden von gaza). dort wurden schliesslich zwei jugendliche vermisst, seit die grenze zum sinai offen ist, deren eltern weinten ja gestern abend in den nachrichten, ob denn ihre jungs die selbstmordattentaeter gewesen sind.

die polizeistation der stadt, ein drei-stoeckiges gebaeude brach voellig in sich zusammen. 7 polizisten kamen dabei ums leben, 12 wurden verwundet.

am nachmittag trat dann die hamas in gaza ans mikrofon und lies verlauten: wir sind die wahren verantwortlichen fuer dieses attentat. wir haben es geplant und ausfuehren lassen. und uebrigens, die attentaeter kamen aus hebron, im sueden der westbank.

peinlich fuer israel, das seinen vergeltungsschlag bereits in gaza durchgefuehrt hatte. insgesamt waren neun tote an dem morgen in gaza zu beklagen. und nun hebron? und noch viel schlimmer: aus der westbank? daran schien niemals ein israeli gedacht zu haben, dass zur zeit der offenen grenze zwischen gaza und aegypten ein attentaeter einfach so aus der westbank kommen koennte.

am naechsten tag bestaetigte sich auch die richtigkeit der hamas-angaben. die eltern der attentaeter wurden in hebron gefunden. sie vermissten ihre soehne seit vier tagen. gen-analysen der attentaeter wurden gefordert, aber auch ohne kam man zur identifizierung der attentaeter. die zwei soehne aus rafah uebrigens waren im sinai aufgegriffen worden und in aegyptischem gewahrsam. warum hat niemand gesagt, auch die aegypter schweigen sich dazu offiziell aus.

naja, einmal mehr oder weniger khan younis, im sueden von gaza militaerisch angreifen schadet auf keinen fall. so meine interpretation der aeusserungen baraks zu der morgendlichen offensive auf grund von „eindeutigen shin bet-informationen zu den attentaetern und deren helfern“. das verteidigungsministerium bestaetigte die richtigkeit der hamas-angaben, dass die wahren taeter doch aus hebron kamen. aber der schlag gegen die polizeistation war trotzdem gut. natuerlich ist jetzt hebron auch dran.

wir sind dann in eine neue aere der gewalt eingetreten. ich meine keine gewaltspirale oder so, es kam ja auch lange nichts mehr in den medien darueber... ich meine eine aera der psychologischen gewalt gegen die menschen der westbank. eine weitere kollektive bestrafungsmassnahme. diesesmal gegen 2,5 mio menschen in der westbank. bei weitem nicht so hart wie gegen gaza. und hier in ramallah bin ich auch nicht direkt betroffen, solange ich nicht versuche nach israel oder in eine andere palaestinensische stadt zu reisen.

hebron selbst ist ja sowieso unter staendiger militaerischer besatzung. da hat sich nicht viel geaendert, ausser das natuerlich erstmal die familienangehoerigen der attentaeter geholt wurden. die distrikte jenin und tulkarm, im norden der westbank, wurden komplett gesperrt. die gesamten destrikte, nicht nur die staedte jenin und tulkarm. keiner rein und keiner raus. nablus wurde nach sueden hin, also nach ramallah hin dicht gemacht, nach norden kam man sowieso nicht, da liegt dann jenin. bethlehem war sonderzone. ein- und ausreise zwar noch moeglich, aber nicht unter vier stunden (unter „normalen“ checkpoint-bedingungen in einer reichlichen stunde zu schaffen). die westbank dicht und jerusalem verbarrikadiert.

ganze sechs tage beliess man tulkarm und jenin unter der abriegelung, die natuerlich auch saemtliche waren und produkte beinhaltete.

die hamas hat ihr ziel erreicht. die westbank ist wieder verstaerkt unter israelischem beschuss und kontrolle. sie hat demonstriert, dass die mauer, nach vier jahren bau, immernoch loechrig ist, wie ein emmentaler kaese. dass auch durchaus noch aus der westbank widerstand zu erwarten sei. und sie hat gezeigt, ohne gaza, ohne hamas kein frieden. es wird keinen palaestinensischen staat nur in der westbank geben, im frieden mit israel. und das es in gaza keinen palaestinensischen staat, friedlich neben israel geben wird, haben sie ja schon vorher klar gemacht.

die hamas hat das israelische militaer an der nase herum gefuehrt und in die westbank rein manoevriert. hier, in der westbank und in ramallah kreiert dies eine gefaehrliche stimmung. auch die letzten verbliebenen naiven optimisten, die noch an eine zwei-staaten-loesung unter bush’s fuehrung glaubten, verstummen.

gaza war immer weit weg, unerreichbar, eine andere welt. nablus, hebron, jenin aber liegen nebenan. barak hat die grosse bodenoffensive in gaza angekuendigt. das militaer bereitet sich darauf vor, in ein paar wochen solls losgehen. die siedlungen in ostjerusalem werden weiter gebaut. jetzt liegen wir schon bei 1000 neuen haeusern. im januar sprachen die israelis noch von 350. die verhandlungen ueber den status von jerusalem im friedensgespraech zwischen abbas und olmert wurden ans ende des verhandlungsweges gesetzt. von olmert allein.

ausserdem hat olmert, das alte schlitzohr, gestern erstmal was klargestellt: bei dem ganzen gerede zwischen ihm und abbas, dass ja so grosszuegig von george w. angeschoben wurde, ginge es keinesfalls um friedensverhandlungen. dies wird irgendwie von der presse falsch zitiert. es geht jediglich um das „erreichen eines gemeinsamen grundverstaendnisses“, wie ein palaestinensischer staat aussehen koennte. niemals aber sollte irgendein friedensvertrag ende 2008, wenn george w. aus dem amt scheidet, unterzeichnet werden.

also was auch immer george w. bush rumerzaehlt, friedensverhandlungen werden hier nicht gefuehrt, es werden nur vorstellungen und traeume gegenseitig ausgetauscht. aber in solch eine runde passt george w. ja auch gut rein, wo man sich gegenseitig seine traeume vorschwafelt, fuer nix.

"RICO in the night" by Idiomsfilm