"Who is the terrorist?"

dr. mustafa barghouthi, praesident der „palestinian medical relief society“, mitglied des parlaments, am donnerstag, 28.2.08:

“… die kollektive bestrafung von palaestinensern in gaza hat ein unertraegliches level erreicht. diese letzte attacke zerstoerte eine schluesselkomponete des ohnehin schon schwer angeschlagenen gesundheitssytems in gaza. israel hat jegliche humanitaet verloren, und das schweigen der internationalen gemeinschaft dazu ermoeglicht diese moerderische eskalation gegen ein volk, dass in einem riessigen gefaengniss eingesperrt ist. diese unnachgiebige missachtung von internationalem recht muss zu einem ende gebracht werden. laut der genver konvention ist es ein kriegsverbrechen, medizinisches personal anzugreifen. regionale organisationen und einzelne staaten muessen anfangen, die palaestinenser vor israel zu beschuetzen. dies muss ein ende haben, jetzt!“

in der nacht zuvor hat israel das hauptquartier der „palestinian medical relief society“ (pmrs) in gaza zerstoert. in diesem gebaeude befand sich, neben bueros der organisation,

das zentralkrankenhaus in gaza, von pmrs,

die groesste apotheke,

ein krankenwagen und

eine hilfsorganisation fuer behinderte menschen.

saemtliches medizinisches equipment, medikamente, der krankenwagen wurden dabei zerstoert. das gebaeude kann nicht mehr benutzt werden. ein 5 monate altes baby kam ums leben.

da faellt mir nur noch der song von dam ein: „who is the terrorist?“ (you tube video von einem live-concert, mit songtext als untertitel!)

Die PR der Hamas II

die hamas hatte angekuendigt, eine grossdemo in gaza an der grenzanlage zu israel abzuhalten, man wolle bis zum erez-checkpoint, im norden des gazastreifens, vormarschieren; 40.000 menschen werden erwartet. erez ist ein grenzuebergang zwischen israel und gaza, natuerlich auch seit dem 12. juni von israel vollkommen dicht gemacht, mit ausnahme von ein paar auslaendern, diplomaten etc., kommt da keine maus mehr durch.

israel fuerchtete sich ganz enorm, dass ein aehnlicher grenzdurchbruch wie im januar zum sinai nun auch hier passieren koennte. es ruestete massiv an der gesamten grenze zu gaza auf.

am montag, dem 25.2., war es dann so weit. ein israelischer korrespondent der haaretz berichtet
(nur weil ich das hier veroeffentliche, heisst das nicht, ich wuerde das auch so schreiben, die ethik und meinung der autoren spiegelt keinesfalls die meinige wieder):


blutvergiessen in sderot, nicht in gaza

zwischen gaza und dem negev / am ende wurde das blut in sderot, nicht in gaza vergossen.

von amos harel und avi issacharoff

es haette keine ueberraschung sein duerfen, dass kurz nachdem die demonstration suedlich des eretz-uebergangs [nord-gaza, zu israel, anm.] aufgeloest war, kassam raketen auf sderot trafen. die kleine anzahl von demonstranten, die die organisatoren zusammentragen konnten, trafen nicht die erwartungen oder die vorbereitungsmassnahmen der israelischen sicherheitskraefte, und sicherlich auch nicht die der medien.

aber die fehlende story am erez wurde schnell durch die fuerchterlichen ereignisse in sderot ersetzt – und somit auch die berichterstattung: von der verzweifelten situation der kinder in gaza durch den wirtschaftlichen boykott unmittelbar hin zu dem leiden der kinder von sderot, nachdem eines von ihnen, yossi haimov, an seiner schulder von kassam raketen-splittern getroffen wurde. in interviews in palaestinensischen medien vom sonntag diskutierten die organisatoren des protestes ihre plaene, zehn tausende von gaza bewohnern auf die strassen zu bringen. am ende kamen nur ein paar tausend – die meisten waren lehrer – und tatsaechlich kamen nur ein paar hundert zum erez uebergang.

warum hat die hamas nicht die versprochenen massen zum protestieren an den grenzzaun zu israel gebracht? es gibt ein paar moegliche erklaerungen dafuer. es kann sein, wie einige palaestinensische journalisten in gaza argumentieren, dass die hamas gar nicht geplant hatte, eine grosse anzahl an demonstranten an den zaun zu bringen. die demo war nur eine von mehreren von der gruppe geplanten aktionen in den naechsten wochen, die darauf abzielen, die israelische besatzung des territoriums zu untergraben.

der fakt, dass das idf [israelisches militaer] und die polizei ihre truppen stark aufstockten, war ein erfolg fuer die palaestinenser. in zweierlei hinsicht: die medienaufmerksamkeit wird auf die schwierigkeiten der gazaner gelenkt, und in der gleichen zeit werden die israelischen sicherheitskraefte gebuendelt, indem tausende truppen und polizisten zusammen gezogen werden, um einen durchbruch zu verhindern, der nie kam. die palaestinenser wussten genau, dass zum zeitpunkt das idf sehr gut auf die bedrohung vorbereitet war, sie entschieden sich, keine wirkliche konfrontation am zaun zu verursachen.

und das ist der punkt, den das idf – aus ersichtlichen gruenden – gerne betont. „die andere seite [hamas]“, wie armee offiziere letzte nacht erklaerten, „hat verstanden, dass wir diesesmal ernst machen: wir sind gut vorbereitet und werden keine spielchen spielen. die wissen, dass wir alles noetige tun werden, um einen einfall in israelisches territorium zu verhindern, und sie waehlten, lieber nicht mit uns zu kollidieren.“

die selben quellen bemerkten auch, dass die palaestinensischen zivilisten nicht darueber erfreut seien, als kanonenfutter fuer die hamas propaganda zu dienen. die menschen stimmten mit ihren fuessen ab – und sie riskierten nicht, von scharfschuetzen in ihre beine getroffen zu werden, falls sie naeher an den zaun heran kaemen. vielleicht.

klar ist, dass der erfolg von solchen demonstrationen, zumindest teilweise, von dem ueberraschungsmoment abhaengt. wenn israel dafuer bereit ist, ist es viel schwerer irgend etwas zu erreichen. und man sollte auch nicht das schlechte wetter vergessen. der regen, der gestern auf gaza niederging, war sicherlich nicht dem enthusiasmus der demonstranten dienlich.

dennoch, man sollte den misserfolg der hamas nicht ueberbewerten. vielmehr kooperierte die hamas mit dem organisator, einem unabhaengigen parlamentarier, als das sie selbst die demo organisierte. die pr der hamas hat kaum anstalten gemacht, die massen zur demo zu bewegen. es ist moeglich, dass aus der sicht der hamas die fotos von schulkindern, die sich gegen die besatzung an den haenden halten, zu diesem zeitpunkt genug sind, besonders wenn am ende auch noch bilder von steinewerfenden jugendlichen am erez uebergang hinzu kommen. groessere aufmaersche werden aufgehoben, als munition fuer den spaeteren kampf.

in den letzten tagen hat die hamas eher auf einen anderen punkt abgezielt: gegen die fatah in der westbank. der tod von majd al-barghouti, ein hamas-imam [muslimischer wuerdentraeger], in einem gefaengniss der palaestinensischen autonomiebehoerden (pa), bescherte der hamas ein leichtes spiel, um die pa in den arabischen medien zu attackieren.

die sicherheitsorgane der pa wurden einmal mehr als kollaborateure mit israel und den usa dargestellt, die nicht vor folter und mord zurueck schrecken, nicht einmal, wenn es sich um einen religioesen wuerdentraeger handelt. die tausenden von palaestinensern, die am sonntag an der bererdigung des imam teilnahmen, machten offensichtlich, was die pa schwer versucht zu vergessen: die hamas ist noch populaer in der westbank.

aus israelischer sicht war der versprochene zusammenstoss am erez letztendlich laecherlich. dutzende von journalisten auf einem huegel suedlich von moshav nativ haasara, und jenseits von ihnen, am horizont, steigt rauch von brennenden reifen auf, die von palaestinensischen demonstranten entzuendet wurden. spaeter, jugendliche bewegten sich zum erez uebergang, steine werfend - equipment wird zerstoert. eine gruppe von demonstranten enterte den bereich [des grenzuebergangs], den normalerweise palaestinenser benutzen, um zu ihren jobs in israel zu gelangen. sicherheitskraefte blockierten beide seiten [ausgaenge des bereichs] und verhafteten die im inneren. einige wurden wenig spaeter wieder frei gelassen, als sich heraus stellte, dass sie noch kinder waren.

in dem aufruhr wurde ein idf offizier durch ein gummigeschoss, versehentlich von einem grenzpolizisten abgefeuert, leicht verletzt. das war eigentlich der hoehepunkt der auseinandersetzung.

die erschreckenden bilder wurden von den medien einige kilometer weiter oestlich geschossen, in sderot, und diese waren schockierend. eine fernsehkamera zeigte einen 10 jahre alten jungen, yossi haimov, an seiner schulter schwer verletzt, und daneben seine juengere schwester, die hoellenqualen aus sorge um ihn erlitt.

haben die bilder von sderot, live-bilder, eine militaer operation in gaza naeher gebracht? bis jetzt ist das die grosse frage. die antwort, zumindest jetzt, heisst nein, aber die anhaltende bedrohung fuer die [israelischen] kommunen am gazastreifen bringt eine grossangelegte operation naeher, auch wenn es nur sehr langsam vorangeht.

originaltext: http://www.haaretz.com/hasen/spages/957967.html, am 26.2.08

Neues.

paris bei nacht


koeln bei nacht


gaza bei nacht


so, weil ich grad nicht soviel zum schreiben komme, hier ein paar interviews und artikel:


dresden bei nacht

Die PR der Hamas

meine frage vom letzten post hat sich am tag darauf selbst erklaert. also nicht selber selbst, sondern sie wurde erklaert, von der hamas in gaza. und sie wurde bestaetigt von der hamas in der westbank. die frage, warum die fatah nach dem selbstmordanschlag in israel zwei verschiedene versionen erklaerte, von wo und wie die taeter nun her-/ hinkamen.

alles wieder bloss eine grosse pr-massnahme. aber eine gelungene. zwar mit nur geringer auswirkung, wie ich nun behaupten kann, aber einfach clever. soll nicht zynisch sein, aber die verwirrung nach dem anschlag, die die mediale macht ueber die weltoeffentlichkeit und deren fuehrer brachte, und die von der hamas in gaza dirigiert wurde, war eine gut durchdachte inszenierung.

angefangen mit den drei parteien, die sich in einer gemeinsamen erklaerung verantwortlich zeichneten fuer die zwei selbstmordattentaeter. sehr bald nach dem anschlag. die verschiedenen pressemitteilungen und auskuenfte von den unterschiedlichen sprechern der fatah-brigaden (eine der sich verantwortlich zeichnenden parteien) ueber herkunft und verfahrensweise der zwei attentaeter. so hiess es, die taeter seien gerade erst uber den sinai und die (zu der zeit noch) offene gaza-grenze in den sinai gekommen. ein anderer sprecher der fatah-brigaden betonte, dass die taeter schon seit dezember in israel abgewartet haetten, also schon vor dem mauerfall rueber gekommen sein. mal kamen sie aus rafah (sued-gaza), mal aus gaza-city (nord). und die eltern der attentaeter in gaza wurden von der presse gefunden – und ach herje, die kinder waren tatsaechlich vor einer woche (als die mauer zum sinai fiel) spurlos verschwunden. keine nachricht, kein handy-signal. sind sie jetzt maertyrer?

soweit waren die nachrichten fuer den abend am anschlagstag (die bomben gingen 10 uhr morgens hoch) in israel und europa erstmal gesichert. man hat weinende eltern der attentaeter in gaza, der shin bet (israelischer geheimdienst) hat die spur der taeter, naemlich aus gaza ueber die offene grenze zum sinai und dann ueber die (ebenfalls) offene grenze nach israel. alles gesicherte geheimdiensterkenntisse. nun wird eine erneute welle von selbstmordanschlaegen ueber israel einhergehen. dann weinende angehoerige der getoeteten israelin.

am naechsten morgen, es dunkelte noch, kam der israelische angriff auf khan younis (im sueden von gaza). dort wurden schliesslich zwei jugendliche vermisst, seit die grenze zum sinai offen ist, deren eltern weinten ja gestern abend in den nachrichten, ob denn ihre jungs die selbstmordattentaeter gewesen sind.

die polizeistation der stadt, ein drei-stoeckiges gebaeude brach voellig in sich zusammen. 7 polizisten kamen dabei ums leben, 12 wurden verwundet.

am nachmittag trat dann die hamas in gaza ans mikrofon und lies verlauten: wir sind die wahren verantwortlichen fuer dieses attentat. wir haben es geplant und ausfuehren lassen. und uebrigens, die attentaeter kamen aus hebron, im sueden der westbank.

peinlich fuer israel, das seinen vergeltungsschlag bereits in gaza durchgefuehrt hatte. insgesamt waren neun tote an dem morgen in gaza zu beklagen. und nun hebron? und noch viel schlimmer: aus der westbank? daran schien niemals ein israeli gedacht zu haben, dass zur zeit der offenen grenze zwischen gaza und aegypten ein attentaeter einfach so aus der westbank kommen koennte.

am naechsten tag bestaetigte sich auch die richtigkeit der hamas-angaben. die eltern der attentaeter wurden in hebron gefunden. sie vermissten ihre soehne seit vier tagen. gen-analysen der attentaeter wurden gefordert, aber auch ohne kam man zur identifizierung der attentaeter. die zwei soehne aus rafah uebrigens waren im sinai aufgegriffen worden und in aegyptischem gewahrsam. warum hat niemand gesagt, auch die aegypter schweigen sich dazu offiziell aus.

naja, einmal mehr oder weniger khan younis, im sueden von gaza militaerisch angreifen schadet auf keinen fall. so meine interpretation der aeusserungen baraks zu der morgendlichen offensive auf grund von „eindeutigen shin bet-informationen zu den attentaetern und deren helfern“. das verteidigungsministerium bestaetigte die richtigkeit der hamas-angaben, dass die wahren taeter doch aus hebron kamen. aber der schlag gegen die polizeistation war trotzdem gut. natuerlich ist jetzt hebron auch dran.

wir sind dann in eine neue aere der gewalt eingetreten. ich meine keine gewaltspirale oder so, es kam ja auch lange nichts mehr in den medien darueber... ich meine eine aera der psychologischen gewalt gegen die menschen der westbank. eine weitere kollektive bestrafungsmassnahme. diesesmal gegen 2,5 mio menschen in der westbank. bei weitem nicht so hart wie gegen gaza. und hier in ramallah bin ich auch nicht direkt betroffen, solange ich nicht versuche nach israel oder in eine andere palaestinensische stadt zu reisen.

hebron selbst ist ja sowieso unter staendiger militaerischer besatzung. da hat sich nicht viel geaendert, ausser das natuerlich erstmal die familienangehoerigen der attentaeter geholt wurden. die distrikte jenin und tulkarm, im norden der westbank, wurden komplett gesperrt. die gesamten destrikte, nicht nur die staedte jenin und tulkarm. keiner rein und keiner raus. nablus wurde nach sueden hin, also nach ramallah hin dicht gemacht, nach norden kam man sowieso nicht, da liegt dann jenin. bethlehem war sonderzone. ein- und ausreise zwar noch moeglich, aber nicht unter vier stunden (unter „normalen“ checkpoint-bedingungen in einer reichlichen stunde zu schaffen). die westbank dicht und jerusalem verbarrikadiert.

ganze sechs tage beliess man tulkarm und jenin unter der abriegelung, die natuerlich auch saemtliche waren und produkte beinhaltete.

die hamas hat ihr ziel erreicht. die westbank ist wieder verstaerkt unter israelischem beschuss und kontrolle. sie hat demonstriert, dass die mauer, nach vier jahren bau, immernoch loechrig ist, wie ein emmentaler kaese. dass auch durchaus noch aus der westbank widerstand zu erwarten sei. und sie hat gezeigt, ohne gaza, ohne hamas kein frieden. es wird keinen palaestinensischen staat nur in der westbank geben, im frieden mit israel. und das es in gaza keinen palaestinensischen staat, friedlich neben israel geben wird, haben sie ja schon vorher klar gemacht.

die hamas hat das israelische militaer an der nase herum gefuehrt und in die westbank rein manoevriert. hier, in der westbank und in ramallah kreiert dies eine gefaehrliche stimmung. auch die letzten verbliebenen naiven optimisten, die noch an eine zwei-staaten-loesung unter bush’s fuehrung glaubten, verstummen.

gaza war immer weit weg, unerreichbar, eine andere welt. nablus, hebron, jenin aber liegen nebenan. barak hat die grosse bodenoffensive in gaza angekuendigt. das militaer bereitet sich darauf vor, in ein paar wochen solls losgehen. die siedlungen in ostjerusalem werden weiter gebaut. jetzt liegen wir schon bei 1000 neuen haeusern. im januar sprachen die israelis noch von 350. die verhandlungen ueber den status von jerusalem im friedensgespraech zwischen abbas und olmert wurden ans ende des verhandlungsweges gesetzt. von olmert allein.

ausserdem hat olmert, das alte schlitzohr, gestern erstmal was klargestellt: bei dem ganzen gerede zwischen ihm und abbas, dass ja so grosszuegig von george w. angeschoben wurde, ginge es keinesfalls um friedensverhandlungen. dies wird irgendwie von der presse falsch zitiert. es geht jediglich um das „erreichen eines gemeinsamen grundverstaendnisses“, wie ein palaestinensischer staat aussehen koennte. niemals aber sollte irgendein friedensvertrag ende 2008, wenn george w. aus dem amt scheidet, unterzeichnet werden.

also was auch immer george w. bush rumerzaehlt, friedensverhandlungen werden hier nicht gefuehrt, es werden nur vorstellungen und traeume gegenseitig ausgetauscht. aber in solch eine runde passt george w. ja auch gut rein, wo man sich gegenseitig seine traeume vorschwafelt, fuer nix.

Leider schon ein neuer post: Selbstmordanschlag in Israel

zwei selbstmordattentaeter kommen ums leben und toeten dabei eine israelin. und das verkauft die hamas als heldenhafte tat und die drei militanten palaestinenser-gruppen, die sich fuer den anschlag verantwortlich zeichnen, sind furchtbar stolz auf sich und ihre maertyrer wieso sind die stolz? zwei leben fuer eins des feindes und die spinner verkaufen das als erfolg? was wollen die denn so erreichen? aber wer weiss schon, was in den kranken, zermatterten hirnen von solchen jungfrauentraeumern abgeht.

allerdings spinnen die israelischen verantwortlichen genauso. der polizeichef fuer den negev (suedisrael) ruehmte seine truppe, dass es "nur" einem selbstmordattentaeter gelungen sei, seinen bombenguertel zu zuenden. der andere sei vorher von einem sicherheitsbeamten getoetet worden. ja was sind denn das fuer massstaebe, wenn die polizei jetzt schon stolz auf sich ist, dass sich „nur“ einer in einem einkaufszentrum in einer wuestenstadt in die luft sprengt? und dabei wird vollkommen ausgeblendet, was israel an seiner suedgrenze zu aegypten seit jahren veraeumt hat: naemlich diese zu sichern. aber sollen sie stolz sein, dass nur einer seinen bombenguertel in israel, nach ueber 100 km wuestentour, sprengte.

es gibt an der grenze zwischen israel und aegypten seit dem mauerdurchbruch in gaza eine 2 bis 5 km breite sicherheitszone, in der erst geschossen und dann gefragt wird. zwei afrikanische hungerfluechtlinge wurden deshalb schon ins jenseits befoerdert. aber es gibt keinen zaun, kaum militaerposten, zwar jetzt auch verstaerkt patrouillen aber keine sicherheit. am 23. januar ist die mauer in gaza zum sinai gefallen. jedem war klar, dass bald etwas in israel passieren wird, wie es nun seit ueber einem jahr nicht mehr passiert ist. naemlich ein selbstmordanschlag.

einerseits liegt es auf der hand, dass israel selbst mit seiner rigiden aushungerungstaktik der gazabevoelkerung zur weiteren radikalisierung und perspektivlosigkeit hundert tausender menschen beigetragen hat, sozusagen diesen anschlag selbst vorprogrammiert hat. israel hat zugesehen, wie die mauer stueckchenweise zerloechert wurde, bis sie nachgab. israel hat zugesehen, wie tausende gazabewohner in den sinai stroemten und hat die 10 tage der offenen grenze genutzt, um zu beraten, wie man die menschen davon abhalten koenne, nun auch israel zu infiltrieren, waehrend einige bereits die grenze zwischen sinai und israel unbehelligt passierten. eigentlich haette man die schlagzeilen bereits vor zehn tagen schreiben koennen und nun nur noch den namen der stadt und die anzahl der opfer einsetzen muessen und drucken. aber seien wir erstmal ein bischen stolz darauf, dass sich „nur“ einer in die luft gesprengt hat...

ich stelle mir aber noch eine ganz andere frage: warum zitieren eine israelische und eine palaestinensische online-zeitung beide den sprecher der al-aqsa-maertyrer-brigaden (bewaffneter arm der fatah) mit komplett unterschiedlichen aussagen? in der haaretz (israel) sagt herr abu fouad, die attentaeter seien jetzt ueber den sinai nach israel gekommen und haetten hinter der grenze hilfe erhalten, um nach dimona zu gelangen. in den maan-news (palaestina) sagt er, die attentaeter seien keineswegs gerade ueber den sinai gekommen, sondern sie waeren schon laenger in israel gewesen, das attentat haette bereits am 20. dezember durchgefuehrt werden sollen. die „sinai-story“ behaupten israelische medien nur, um aegypten in die krise, und weiter in die verantwortung zu ziehen. ich muss ehrlich sagen, dass klingt plausibel, dass israel natuerlich auch aegypten fuer die sicherheitsluecken mit verantwortlich macht. wieso aber erzaehlt er dann selbst den israelischen medien die angeblich israelische sichtweise und den palaestinensischen eine vollkommen andere? zumal es keinerlei propaganda in sich traegt, wann sie und welchen weg nun die attentaeter genommen haben.

plausibel klingt natuerlich erstmal die sinai-variante, zumindest nachvollziehbar auf grund der massiven sicherheitsluecken dort. und aegypten hat auch einige palaestinenser mit sprengstoff auf der halbinsel in den letzten tagen festgesetzt. allerdings nur auf den ersten blick. die maueroeffnung hat der einfachen bevoelkerung geholfen. terroristen sind doch aber nicht auf die mauerloecher angewiesen. sie haben ihre tunnel, durch die sie ein- und ausgehen. und vor dem mauerfall war dann die grenzueberquerung vom sinai nach israel viel einfacher als seit der maueroeffnung. denn jetzt ist das israelische militear in alarmbereitschaft.

aber vielleicht ist diese frage auch reine zeitverschwendung.

genauso sinnlos, wie die kommentierung oder erwaehnung der rede des inlandsgeheimdienstchefs (diskin) von israel, der vor der knesset mal wieder seine horrorszenarien verkuendete. wie regelmaessig zieht er wieder ueber die massive aufruestung der hamas in gaza her, ihre immer moderner werdenden waffen. ich frage mich, wann diese angeblichen superwaffen der hamas, die er regelmaessig seit mai beschwoert, mal von der hamas eingesetzt werden. panzerabwehrfaeuste, flugabwehrraketen etc. alles habe die hamas, nur benutzt haben sie sie noch nie. aber es kommt gut an und gibt der israelischen armee das moralische recht noch haerter und brutaler im gazastreifen vorzugehen. dieser herr hatte auch schon verkuendet, al-qaida sei im gazastreifen, und iranische terroristen. ausserdem seien nun tausende hamaskaempfer nach gaza zurueck gekehrt, die jahre in ausbildungscamps verbrachten. sie nutzten die offene grenze. aber dies verkuendet der chef auch schon seit mai. und ob sie nun durch die tunnel oder durch die loecher in der mauer zurueck kommen, spielt doch nun wirklich keine rolle. aber propaganda ist eben auch im israelischen parlament gang und gebe. schade nur, das auch der spiegel wieder so schoen abschreibt.

und apropo spiegel: die grenze zwischen gaza und aegypten ist uebrigens schon seit sonntag morgen wieder dicht. palaestinensiche polizisten haben zusammen mit aegyptischem militaer die loecher gestopft. und noch was, keiner behauptet, nichtmal abbas selbst, die politische fatah-fuehrung in ramallah haette die bewaffneten truppen der fatah in gaza in der hand. die al-aqsa-maertyrer-brigaden der fatah sind eine der am meisten feuernden truppe in gaza. bedeutend mehr raketen und moerser gehen auf ihr konto, denn auf das irgendeiner anderen gruppe (pflp, hamas, jihad...) seit dem gazacoup der hamas im mai/juni, kaempfen die bewaffneten gruppierungen aller fraktionen gemeinsam gegen israel. der coup richtete sich damals nur gegen die politische fraktion der fatah, doch aber nicht gegen ihren militaerischen arm, denn der hat ja seinen widerstandskampf gegen israel nie aufgegeben. und keine andere zeitung spricht abbas daraufhin an, nur der spiegel versucht wieder die alte masche, die damals auch schon arafat verurteilt hat. wie naiv ist es denn, heute noch den westbank-praesidenten abbas fuer irgendwas in gaza verantwortlich machen zu wollen? denn abbas hat die bewaffneten truppen der fatah in der westbank sehr wohl in der hand. die halten still, obwohl sie gerne ihre brueder in gaza unterstuetzen wuerde. tun sie aber nicht, arabisch untypisch.

naja, was solls, da jetzt eh alles wieder den bach runter geht, kann man ja auch abbas mit absaufen lassen und runter ziehen, ne wahr lieber spiegel?

abschliessend darf ich noch ein wort ueber die israelische fuehrung verlieren. ich habe kein bischen mitleid mit ihnen. mir tun die menschen in israel leid, die nun, dank ihren hardlinern an der spitze, wieder ernsthaft um ihr leben fuerchten muessen. was ueber ein jahr (der letzte selbstmordanschlag war im januar 2007, allerdings ein einzelner, nach einem halben jahr ruhe) in israel friedlich verlief, ist nun dahin. das leben in israels strassen hatte sich, abgesehen von der stadt sderot, fast normalisiert, zumindest waren die selbstmordanschlaege auf den strassen und in cafes geschichte und keine ernsthaft praesente gefahr fuer die menschen. doch israel hatte die ruhe der palaestinenser ignoriert. das gesamte letzte jahr weiterhin massiv und tagtaeglich ihre operationen in palaestinensichen staedten durchgefuehrt und hunderte von palaestinensern erschossen. in den letzten drei monaten gerade wieder extrem verstaerkt. allein im januar kamen 96 palaestinenser ums leben. das militaer macht keinen unterschied zwischen westbank und gaza. die palaestinensischen terroristen hielten ziemlich still im vergangenen jahr, die israelis verstaerkten ihre aggressionen. zur zeit ist es tatsaechlich so, das israel der hauptaggressor ist (viele behaupten das schon seit jahren). in palaestina (gaza und westbank) haben die extremen gerade mal noch eine zustimmung von 32%. in israel haben die hardcorespinner, die, die die tilgung palaestinas von der landkarte fordern und einen juedischen grosstaat an dieser stelle, eine zustimmung von 47%. die radikalen siedler israels, die hardliner des zionismus haben die gleiche rhetorik wie die radikalen palaestinenser, das gleiche ziel vor augen, naemlich die ausloeschung des anderen staates. nur sind die israelischen radikalen die mehrheit und die palaestinensischen heute die minderheit. das verhaeltnis der anteile der extremisten hat sich verschoben, liebe welt.

kann man angesichts dessen noch von einem terroristischen palaestina reden, dass das demokratische israel ausloeschen will? 32% spinner hier und 47% spinner drueben...

Ramallah im Schnee

der vorhergehende post ist ein ausfuehlicherer bericht ueber gaza, achtung, reichlich 5 seiten lang. aber selbst eine zusammenfassung der ereignisse der letzten wochen in gaza braucht soviel platz. die zusammenhaenge sind komplex und sehr kompliziert, ausserdem ist es auf grund der stromknappheit in gaza auch schwer, jemanden an ein noch funktionierends handy zu bekommen.

hier nun ein paar bilder aus ramallah, vom mittwoch (30. januar):



this house didn't break by the snow


kids, the only one I could find at the streets, and the only one who enjoyed the snow as well


al-manara, the city center




first look out of the door


white overview


streets - no cars around


except of this one - it stuck right there


the main road - usually full of cars

in der nacht von dienstag auf mittwoch hat es geschneit, und ramallah war damit fuer drei tage ausser gefecht gesetzt. keiner ging zur arbeit, keine taxis, kein oeffentliches verkehrsmittel. die meisten shops blieben geschlossen und bueros sowieso.

leider hat auch der viele schnee, ueber den anscheinend nur ich mich gefreut habe, viel der infrastruktur zerstoert. viele gartenmauern wurden vom eintretenden und dann gefrierenden wasser gesprengt, viele baeume haben ihre aeste verloren oder sind ganz umgeknickt...

seit freitag taut es wieder, allerdings langsam. noch sind grosse berge von schnee ueberall zu finden, von den flachdaechern tropft es herunter und ganz ramallah ist ein kleines wasserspiel, die strassen nach wie vor von baechen ueberstroemt.

Der Mensch versagt in Gaza

was kann man noch zu gaza sagen, was nicht schon in irgend welchen medien ausgetratscht worden ist. es ist einfach nur traurig. ein armutszeugnis ob unserer „menschlichen waerme“ eine schande fuer uns menschen und ein weiteres kapital im geschichtsbuch der inhumanitaet der menschlichen rasse auf diesem planeten. das hat alles nix mit israelis oder amerikanern oder palaestinensern zu tun, nichts mit hamas, fatah, likud oder schas, nichts mit pro oder kontra, terroristen oder soldaten. hier versagt einfach nur wieder die menschheit, ein gesunder menschenverstand, mitgefuehl. das wesen des gemeinwohls auf globaler ebene gegen einen blinden egoismus aus profitgier und fuer interessen des eigenen machterhalts und totalitaetsanspruchs. es zeigt einmal mehr die nichtigkeit einer uno, eines sicherheitsrates, irgend einer vereinigung auf globaler ebene. gaza ist nur ein weiterer peak in einem 60 jahre andauernden missgeschick der politiker dieser welt, ihrer voelker, humanitaerer und selbstloser organisationen, des scheiterns von dir und mir.

eigentlich ist das, was dieser tage aus gaza berichtet wird, angefangen von den berichterstattungen westlicher medien ueber den ploetzlich massiven raketenangriff aus gaza, als vergeltung fuer einen vorhergegangenen luftschlag der isralischen armee, bei der zuviele menschen auf einmal starben und schwer verletzt wurden, vor gut zwei wochen. zu viele im vergleich zu den sonstigen taeglichen militaerischen auseinandersetzungen in und aus gaza. eigentlich ist das, was da gerade zu vernehmen und darueber zu hoeren ist, nichts anderes als ein statistisch periodisch auftretender ausschlag auf der skala des nahostkonflikts, der deshalb wiedereinmal von den radaren der news-redaktionen erfasst wurde.

und genau deshalb ist es so traurig, weil trotz des peaks, der damit verbundenen aufmerksamkeit eine betroffenheit geheuchelt wird und sich dann wieder zum kamin zurueck gedreht wird, um den naechsten privaten millionendeal zu unterzeichnen.

wir haben hier gerade winter. klar, der faellt hier in den bergen wesentlich heftiger aus als an der mittelmeerkueste, also im gazastreifen. aber auch dort ists nicht waermer als 10 grad. drinnen wie draussen! viel regen, alles ist nass. drinnen wie draussen! starke winde, vermehrt aus nord, mit kalter luft aus sibirien. drinnen wie draussen!

drinnen wie draussen! kann man nicht oft genug sagen. denn waehrend du jetzt grad bei 20 grad sitzt und am computer liest, kann es draussen noch so eisig und stuermisch kalt sein...

und in gaza nutzen zur zeit nicht einmal die millionen aus europa und asien etwas. auch die privilegierten und korrupten, die ueber die seltenheit einer zentralheizung verfuegen, muessen dieser tage frieren. drinnen wie draussen.

und waehrend ich hier vor einem elektrischen heizstrahler sitze, um den schnee vor der haustuer und das tauwasser hinter der haustuer zu vergessen, gibts in gaza schon seit anfang oktober keinen oder nur eingeschraenkten strom. vier stunden strom am abend und vier stunden am morgen, um sich einen warmen tee zu kochen und ein bischen vor dem strahlgeraet die haende zu waermen. um eine email an verwandte zu schreiben, die nachrichten zu lesen, seine arbeit zu erledigen. und diese jeweils vier stunden natuerlich auch nur, wenn man gerade zu den gluecklichen gehoert, deren stromleitung nicht wieder einmal kaputt ist. das war der luxus bis ende november.

ab dann hiess es nur noch strom fuer die aufrechterhaltung des oeffentlichen lebens, sprich krankenhaeuser, telekommunikation, polizei und regierungseinrichtungen. es war mal ein interessanter bericht zu lesen, warum die lieferungen des heizoels fuer gazas kraftwerk so unregelmaessig kamen und in nicht ausreichender menge. kompetenz-wirr-warr. da muss der dirketor des kraftwerkes in gaza seinen koordinator in ramallah anrufen, um die bestellung zu uebermitteln. dies muss auf israelische anweisung taeglich passieren. er darf nur jeweils die menge eines tagesbedarfes ordern. sein koordinator gibt die bestellung, die natuerlich immer gleich ausfaellt, naemlich in der hoehe des tagesbedarfes fuer den gazastreifen, an einen adjutanten im palaestinensichen energieministerium weiter. dieser hat einen armeegeneral der israelischen streitkraefte, an den er die bestellung weitergibt. und dieser leitet das gesuch an sein verteidigungsministerium weiter, in welchem dann entschieden wird. bei positivem urteil ist dann das verteidigungsministerium verantwortlich, die anweisung zur lieferung des heizoeles an das wirtschaftsministerium, das transportministerium, den privaten heizoellieferanten, den kommisar fuer strategische angelegenheiten, den oberbefehlshaber der armee fuer den negev, den armeechef am grenzuebergang zwischen israel und gaza und den palaestinensischen fuhrunternehmer zu uebermitteln. und da seit dem gazacoup der hamas im juni nie wieder die volle benoetigte tagesmenge zur lieferung genehmigt wurde, variieren auch die mengen, die taeglich an heizoel nach gaza geliefert werden duerfen. also faellt es auch nicht auf, wenn tatsaechlich weniger geliefert wird, als vom verteidigungsministerium fuer den heutigen tag genehmigt wurden.

so zumindest hat sich der sprecher des verantwortlichen im israelischen verteidigungsministerium dafuer entschuldigt, dass im dezember gerade einmal 20% des taeglichen bedarfs an heizoel geliefert wurden, was nichteinmal zum aufrechterhalten des betriebes in den krankenhaeusern reicht. die reserven des kraftwerkes, auch die reserven an diesel fuer die notstromaggregate der krankenhaeuser und polizeistationen waren bereits im august/september aufgebraucht gewesen. israel haette niemals vorgehabt, einen ganzen monat lang die bewohner von gaza so leiden zu lassen, dass sogar einige krankenhaeuser schliessen mussten.

gaza leidet bereits seit juli unter dieselmangel, der grundstoff fuer strom, kochen, heizen, fliessend wasser, sozusagen das lebenselixier des strips. und waehrend in den spaetsommer- und fruehherbstmonaten die reserven an diesel gemindert wurden, auf grund der israelischen sanktionen, wurden die reserven an kassamraketen bei hamas und jihad aufgestockt. denn diese hatten gelernt, und das ist eine neue qualitaet in deren „widerstandskampf“, ihre raketen zu lagern, ueber monate. bislang musste eine frisch zusammengeschusterte rakete innerhalb von 5-6 tagen verschossen werden. klar, seit november haetten keine raketen mehr fliegen koennen, weil kein strom und kein gas vorhanden waren, um die produktion der raketen aufrecht zu erhalten. ok, die hamas ist natuerlich nicht gaenzlich vom strom abgeschnitten. die fuehrende partei im gazastreifen hat natuerlich auch trotz lieferungsstops aus israel ihre reserven, mittel und wege, speziell fuer den raketenbau. die tunnel zwischen gaza und aegypten arbeiteten ja weiter, unabhaengig von jeder israelischen blockade des strips, also kommt auch heizgas und sprit ins land. aber der hagel von ueber 120 raketen auf israel innerhalb von drei tagen (der beginn des peaks in der statistik, der von den medien registriert wurde), mitte dezember, ist eine quantitaetssteigerung sondersgleichen. und es zeigt, dass raketen lagerbar sind, auch die primitiven der hamas, auch unter den widrigsten umstaenden, die die israelis den bewohnern von gaza zumuten.

da den israelis laut einem bericht des shin beit (inlandsgeheimdienst) bereits seit august klar war, dass die hamas gelernt hat, ihre raketen zu lagern, koennen also die israelischen sanktionen ueber gaza nicht die minderung des reaketenbeschusses aus gaza zum ziel haben. denn die politische fuehrung weiss ja, dass die hamas genug auf lager hat und auch nachweislich ohne israelischen strom und gas weiter produzieren kann. was aber soll die komplettabriegelung des streifens seit nunmehr 6 monaten dann bewirken? erwartet in der regierung olmert irgendein minister tatsaechlich, dass ein einfacher handwerker, fischer oder haendler in gaza hungrig im dunkeln sitzt und auf grund seiner absoluten perspektivlosigkeit, seiner auferzwungenen unfaehigkeit irgendwas zu tun, ploetzlich entscheidet: ach ja, die israelis meinen es ja nur gut mit uns, ich unterstuetze jetzt kompromisslos einen juedischen staat israel. dies zumindest tut die pr der israelischen regierung kund, dass die sanktionen ueber gaza der einfachen bevoelkerung zeigen soll, dass die hamas keine gute entscheidung ist, sondern israel die bessere. sind wir denn im maerchenwald hier?

also war die letzte aktion der hamas, der mauerdurchbruch nach aegypten nur die logische folge des israelischen boykotts. und ich behaupte die gewollte folge israels. denn so wie die israelischen medien durch die bank durch auf den „ploetzlichen“ grenzdurchbruch reagierten, kam dies keineswegs ueberraschend oder unpassend fuer israel. ganz im gegenteil. der gazastreifen wird rund um die uhr aus der luft ueberwacht, besonders die grenzen von gaza, auch die nach aegypten. schliesslich ist der sinai ein beliebtes touristenrueckzugsgebiet fuer israelis und israel selbst erlaubt den aegyptern nur eine bestimmte kleine anzahl von grenzsoldaten an der gaza-grenze. aus dem einfachen grund, weil israel nicht die kontrolle ueber die aegyptische gaza-grenze aufgeben will. also ist aegypten nicht in der lage, die grenze zu kontrollieren geschweige denn zu sichern und israel ist in der lage, auch die grenzregion zwischen aegypten und gaza militaerisch zu nutzen, einheiten zu stationieren und die souveraenitaet aegyptens zu untergraben. alles im kampf gegen den terrorismus.

die drohnen der israelis kreisen tag und nacht ueber dem gebiet palaestinas. der mauerdurchbruch war keine nacht- und nebel-aktion, sondern ein geplanter und praezise durchgefuehrter coup, der ueber 2 wochen ging. es wurden zunaechst schweisspunkte an der metallmauer angebracht, kleine loecher fuer die naechsten arbeitsschritte hineingeschweist. auf einer laenge von knapp zwei kilometern, in praezisen und gleichen abstaenden. die naechsten naechte wurden genutzt, um die loecher zu kleinen feinen rissen zu verbinden, lauter kleiner geschweisster risse im metallgebilde, meter fuer meter. bis dann letztendlich der durchbruch passierte. und auch dies nicht ploetzlich ueber nacht, sondern wohl organisiert und innerhalb von drei tagen durchgefuehrt. angefangen mit einer demonstration, organisiert von der hamas, bei der nur kinder mit kerzen vorgefuehrt und aufgestellt wurden. man haette dies als eine klare pr-massnahme der hamas begreifen koennen, bilder im internationalen fernsehen von kindern, die mit kerzen im winter auf die strasse gehen, um zu zeigen wie schlecht es ihnen geht auf grund der israelischen sanktionen, machen sich immer gut, beeinflussen die meinungen der massen. doch diese aktion der hamas war zu augenscheinlich. nicht das ich etwas von einem bevorstehenden durchbruch der grenze zu aegypten geahnt haette, als ich ueber die demo der kinder in gaza las. aber selbst mir war klar, da steckt mehr dahinter. die hamas hat ihre propagandafaehigkeiten mehrfach unter beweis gestellt, als das man solch eine aktion haette ignorieren koennen. da war was im busch, das war allen klar. aber niemand schritt ein, niemand hinterfragte. die israelis warteten einfach den naechsten schritt in der inszenierung ab. und der kam am tag darauf, in form einer frauendemonstration. hunderttausende von frauen demonstrierten gegen den israelischen boykott. warum ploetzlich? nach ueber fuenf monaten boykott, die weltpresse war bereits auf gaza gerichtet, der sicherheitsrat der uno befasste sich bereits mit dem problem, warum also ploetzlich diese grossangelegte demo? denn solche demos in gaza sind keine spontanaktionen der bevoelkerung. schon gar nicht, wenn nur frauen auf die strassen gehen. dies manoever organisierte die hamas, um anderes zu verbergen. und was die hamas mittels dieser zwei demos verbergen wollte kam am dritten heraus, naemlich die endgueltige sprengung der mauer. die sprengsaetze wurden waehrend der demos am zaun angebracht, um sie am naechsten tag zu zuenden. und mit den demos versuchte man freilich nicht, die israelischen spionagekraefte abzulenken. die unbemannten drohnen der israelis kreisen ueber sicherheitsrelevanten zonen im gazastreifen, und nicht dort, wo ploetzlich eine demonstration aufkommt. nein, die israelis haben genau gesehen, was dort gemacht wird. man schweisst nicht in 6 oder 7 naechten in einen 2 kilometer langen metallzaun hunderte von loechern und verbreitert diese in weiteren naechten zu langen, durchgaengigen rissen und befaesstigt in weiteren zwei naechten einige dutzende sprengladungen am grenzzaun, ohne dabei gesehen zu werden. selbstverstaendlich geben militaerische kreise dies nicht zu, aber es gibt genug isralische stimmen, die zugeben, dass israel all dies gesehen und gewusst hat. die demos in gaza vor der mauersprengung dienten nur dem fang der auslaendischen presse. denn die sollte am grossen tag der mauersprengung bereits vor ort sein, also gibt man ihnen futter, bereits zwei tage vor dem ereigniss. sozusagen als warm-up.

kurz um, und einige parlamentsmitglieder offenbarten dies auch in interviews, israel ist froh, dass sich gaza mit seinen problemen aegypten zuwendet und hat deshlab der mauersprengung zwei wochen lang hoffnungsvoll zugeschaut ohne einzuschreiten. soll doch aegypten in zukunft das diesel und heizgas liefern und sich mit den formalitaeten fuer die medikamenten- und lebensmittellieferungen der weltgemeinschaft rumplagen. der wunsch der regierung, der dem staat einige millionen verwaltungskosten sparen wuerde, kommt nur einigen geschaeftsleuten in israel ungelegen. schliesslich wurden, vor den sanktionen, taeglich 8 millionen schekel (ca. 2 mio.us$) mit gaza umgesetzt. es ist zwar nur ein kleiner wirtschaftszweig der israelischen oekonomie, da dieser aber stark reglementiert ist, sprich ein geschaeftsmann, der handel mit gaza treiben wollte, wurde ausgesucht und gemustert, er musste sich regelrecht bei der regierung dafuer bewerben. und deshalb war auch der kleine kreis der privilegierten israelischen „gazahaendler“ ein feiner kreis. lobbyarbeit sagt man heute dazu. man kann sich vorstellen, wie die posten zugeschoben wurden, einfluss in regierungskreisen bei der vergabe der lizenzen fuer den handel mit gaza geltend gemacht wurde. also es ist ein durchaus einflussreicher kreis mit guten kontakten, die leute, die die taeglichen 2 mio dollar mit gaza machten.

solche leute ueberrumpelt man nicht einfach mit einer regierungserklaerung, dass jegliche beziehung, wirtschaftlich wie diplomatisch, ab sofort hundert prozent untersagt ist. auch wenn dies aktuell passiert ist, naemlich saemtliche kontakte jeder natur mit gaza abgebrochen, von israelischer seite, so wurde dies doch immer mit sicherheitsmassnahmen begruendet, also akzeptabel.

die israelische regierung wollte, konnte aber nicht aus privat-wirtschaftlichen interessen heraus, den kontakt mit und zu gaza komplett abbrechen. dies hat nun die hamas fuer sie erledigt. auch wenn immernoch einige linke israelis in zeitungskommentaren davon „schwaermen“, dass nun die hamas das heft in die hand genommen hat, die politische agenda israels bestimme und die strategie eindeutig anfuehre, israel selbst nur noch reagieren und nicht mehr agieren koenne. so liegen doch die vorteile auf israels seite, dieser kurzzeitigen internationalen verwirrung ueber die grenzsouveraenitaet voelkerrechtlich ungeklaerter staatsgrenzen eines gebietes, dessen zugehoerigkeit zum eigenen staatsgebiet zwar nach wie vor von israel proklamiert wird, doch aber nie wirklich, seit der eroberung, gewollt ist, und das aber gleichzeitig als kriegsbeute dieses souveraenen staates eingestuft wird, als illegal annektiertes land, und das gleichzeitig von dem staatlichen souveraen komplett geraeumt worden ist, also keinerlei legislative, judikative oder executive einrichtungen dieses souveraens beherrbergt, aber dennoch weiterhin diesem souveraen untergeordnet bleibt, und das gleichzeitig der autoritaet eines regierungsgebildes untersteht, welche aber ueber keinerlei kompetenzen verfuegt, da auch dieses regierungsgebilde dem souveraen untersteht, bzw. seine entscheidungen absegnen lassen muss und einem gebiet, dass also folglich unter keinerlei praesenter ordnungsmacht verweilt, sondern sich selbst ueberlassen wurde.

die moegliche folge dieser kurzen verwirrung bringt fuer israel massive pr-vorteile, buerokratieeinsparungen, weniger moralische belastungen, einen grossen daempfer fuer die argumentationsreihe der israelischen linken und verwaltungstechnisch wie militaertechnisch erhebliche einsparungen und erleichterungen. vorausgesetzt, ihr plan der abspaltung und selbstbefreiung von dem „ungetuem im hinterhof“ geht so auf. dies allerdings haben die israelis weniger in der hand als vielmehr blair, der hamaschef in damaskus und vielleicht noch solana, der europaeische aussenbeauftragte, und nicht zu vergessen iran.

was mit palaestina und den palaestinensern in gaza geschieht, interessiert dabei grad keinen. und wie aegypten, der sinai faehig sein sollten, gaza zu versorgen, mit allem, was unsere heutige moderne zivilisation so dringend braucht, und gleichzeitig dabei dann auch noch fuer die terroristenabwehr in gaza verantwortlich sein soll, denn das eine geht mit dem anderen einher. wer die fruechte gaza’s ernten will, die taeglichen 2 mio. dollar, der wird auch international fuer die sicherheit und vor allem die „dichtheit“ der grenze verantwortlich gemacht.

und aegypten sitzt zwischen den stuehlen. aus ihrer arbisch-muslimischen verantwortung heraus will mubarak den palaestinensern schon helfen. auf der anderen seite hat er wohl keinen bock darauf, sich ein weiteres problem mit gaza aufzuhalsen. auch er hat eine starke opposition im lande. besonders zu erwaehnen ist hier die „muslimbruederschaft“, die enge verbindungen mit der hamas unterhaelt und mubarak zu vielen zugestaendnissen zwingt. aber er will und kann auch nicht den westen gegen sich aufbringen, imdem er sich mit gaza, und damit zwangslaeufig mit der hamas verbindet. er liess zwar die palaestinenser 10 tage lang unbehelligt seine grenze passieren, bevor er dann anfing, die ersten loecher auf druck israels mit stacheldraht wieder zu verschliessen. doch bereits am 4 tag der freiheit hielt er die shops im aegyptischen teil der stadt raffah an, dicht zu machen, um die palaestinenser nicht zu einer illegalen einreise in den sinai zu verfuehren, wie er offiziel verlauten lies. er laesst die menschen aus gaza in sein land rein, verbietet aber seinen haendlern, ihnen etwas zu verkaufen. diese strategie zeigt eindeutig, dass sich mubarak nicht selbst bewegen kann, sondern einzig versucht, allen gerecht zu werden. den israeelis, bush, seiner eigenen partei, den muslimbruedern. heraus kommt dann dabei solch ein alberner mix aus freundlichkeit und abweisung.

und die menschen in gaza sind natuerlich froh ueber den temporaeren fall der mauer. sie leiden und geniessen den kurzen ausflug zurueck ins leben. sie brauchen und koennen nicht an die politischen folgen und die zukunft denken, sie wollen einfach nur konsumieren, wie wir alle, ihr leben leben. israel schert sich einen dreck drum, zwar verstaendlicherweise, aber moralisch verwerflich, schliesslich haben sie nunmal diese menschen und das land militaerisch erorbert, die verantwortung gewalttaetig an sich gerissen. abbas schert sich einen dreck drum, zwar verstaendlicherweise, aber eines praesidenten der palaestinenser nicht wuerdig und einfach reudig, schliesslich sind auch in gaza ein drittel der menschen seine waehler und drei drittel auch palaestinenser. bush schert sich einen dreck drum, aber wahrscheinlich weiss er nichtmal wo gaza liegt. seine nicht-erwaehnung und konsequente ausklammerung des streifens sind deutlich genug gewesen.

und die hamas hat den menschen in gaza ein stueckchen freiheit geschenkt, den israelischen boykott ausgehebelt. wenn sie damit mal nicht fuer die menschen auf der strasse bewiesen hat, dass sie faehig ist, den palaestinensern zu geben was sie brauchen und dabei noch weiterhin den wiederstandskampf fortfuehren zu koennen, trotz der israelischen andauernden aggressionen. das mag einem jetzt subtil oder naiv vorkommen. aber nach fuenf monaten entzug von allem war dies wie weihnachten und geburtstag zusammen, ein kleines loch ins paradies, die oeffnung der mauer. soviel also zu israelis zweitem ziel der sanktionen: dem einfachen buerger in gaza begreiflich zu machen, dass sie israel zum ueberleben brauchen, dass israel die bessere wahl ist, anstelle der hamas.

fuer die hamas selbst war es wohl kaum ein dienst am wohle des volkes, als vielmehr ein politisch strategischer zug. die planung kommt nicht aus dem hause hanije, dem ehemaligen ministerpraesidenten palaestinas, regierungschef im heutigen gaza, sondern sie ist aus damaskus geleitet, der hauptzentrale der partei. da steckt kein kleingeistlicher militaerischer aktionismusgedanke dahinter, um israel mal wieder einen kleinen schlag zu versetzen, sondern ein vielmehr auf langfristige perspektiven hinaus gedachter plan. eine politische strategie. palaestina, mit westbank und gaza (ohne gaza ist es nicht moeglich, auch nicht mit abbas), neben israel, soll nicht entstehen. und es gibt auch realpolitiker in der hamas, die den gedanken der tilgung israels von der landkarte als motivation, nicht aber als militaerisches ziel sehen. israel ist da und wird durch einen palaestinensichen widerstandskampf nicht weggehen. also soll die gruendung des staates palaestina verhindert werden, damit der konflikt auf der politischen agenda der welt verweilt, und in den strassen palaestinas. und damit auch die voelkerrechtliche bewertung der grenzen und hauptstadt israels auf sich warten laesst. denn ueber eins sind sich israelis wie palaestinenser einig, die zeit spielt gegen die israelis. selbst olmert aeussert dies in der knesset.

"RICO in the night" by Idiomsfilm